Wildtiere in der Stadt

Wildtiere, welche Städte und Dörfer in Baden-Württemberg als Lebensraum entdeckt haben, sind ein zunehmend gesellschaftliches Thema. Hier möchten wir die Bürger und Bürgerinnen Baden-Württembergs über ihre neuen Nachbarn informieren und Tipps für ein friedliches Nebeneinander geben.

Waschbär © Bildagentur PantherMedia / Karin Jähne

Stadtbewohner Igel © Anna-Lena-Hendel

Tierarten

Die Liste der im Siedlungsgebiet vorkommenden Wildtierarten ist lang und wird stetig länger. Wir stellen Ihnen hier die häufigsten Wildtiere vor.

An dieser Stelle können Sie sich über die Biologie und das Verhalten Ihrer tierischen Nachbarn informieren und diese besser verstehen lernen.

 

Zu den Tierprofilen

tierprofile übersicht

© Bildcollage aus Panthermedia Bildern Wildtierportal-Tierprofile

Wildtiere in der Stadt - warum?

Viele Bürgerinnen und Bürger stellen sich die Frage, warum in ihrem Garten oder ihrer Stadt Wildtiere auftauchen. Worin liegen die Gründe? Weshalb zieht es Wildtiere in diese neuen Lebensräume so nah beim Menschen? Was macht urbane Lebensräume so attraktiv? Weshalb ist die Nachbarschaft mit Wildtieren nicht immer unkompliziert?

 

"Wildtiermanagement im Siedlungsraum - Ein Handbuch für Kreise und Kommunen in Baden-Württemberg"

Wildtiere erobern zunehmend den Siedlungsraum und dabei zeigen sie eine erstaunliche Anpassungsfähigkeit an den Menschen. Viele Bürger erfreuen sich an Wildtieren in ihrer Umgebung, viele Wildtiere teilen sich sogar lange unbemerkt den Lebensraum mit dem Menschen. Doch halten sich Wildtiere nicht immer an die Regeln und Vorstellungen ihrer menschlichen Nachbarn. So sind Mensch-Wildtier-Konflikte vorprogrammiert. Ein urbanes Wildtiermanagement kann solchen Konflikten vorbeugen und ihre Wirkungen abmildern.

Da Wildtiere im Siedlungsraum zunehmend ein gesellschaftliches Thema sind, wurden folgende Fragen beantwortet:

- Welche Wildtierarten treten in Baden-Württemberg im Siedlungsraum auf?
- Welche Mensch-Wildtier-Konflikte entstehen dadurch?
- Wie wird mit diesen Konflikten in Baden-Württemberg umgegangen?
- Wie kann man den Umgang mit diesen Konflikten verbessern?

Das entwickelte Handbuch gibt Kreisen und Kommunen eine Anleitung wie ein Wildtiermanagement im Siedlungsraum aufgebaut werden kann.

Wildtiere in der Stade

Download: Handbuch "Wildtiermanagment im Siedlungsraum" (10MB)

 

Das Projekt

Die Professur für Wildtierökologie und Wildtiermanagement an der Uni Freiburg beschäftigte sich intensiv mit dem Phänomen der „Wildtiere im Siedlungsraum Baden-Württemberg“. Gefördert wurde die Arbeit vom Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR)) aus den Mitteln der Landesjagdabgabe. Kooperationspartner war die Professur für Forst-und Umweltpolitik an der Uni Freiburg, sowie der Verein StadtNatur.


Was wurde untersucht?

Da Wildtiere im Siedlungsraum zunehmend ein gesellschaftliches Thema geworden sind, wurden folgende Fragen gestellt:

- Welche Wildtierarten treten in Baden-Württemberg im Siedlungsraum auf?
- Welche Mensch-Wildtier-Konflikte entstehen dadurch?
- Wie wird mit diesen Konflikten in Baden-Württemberg umgegangen?
- Wie kann man den Umgang mit diesen Konflikten verbessern?

Ziel des Projektes war es, Handlungsempfehlungen für das Wildtiermanagement im Siedlungsraum in Baden-Württemberg zu erarbeiten.

Die Ergebnisse des Projektes sind im Handbuch "Wildtiermanagement im Siedlungsraum" zusammengefasst, welches im Sommer 2020 veröffentlicht wurde.

Download "Wildtiermanagement im Siedlungsraum - Ein Handbuch für Kreise und Kommunen in Baden-Württemberg"


Methoden

Um die oben genannten Fragen zu beantworten, wurden verschiedene Methoden angewendet. Um zunächst einen Überblick über die Thematik im Bundesland zu bekommen, wurden Experteninterviews mit beteiligten Akteuren geführt. Aus diesen Interviews wurde ein Onlinefragebogen entwickelt, den Personen ausfüllten, die regelmäßig Anfragen aus der Bevölkerung zum Thema Wildtiere im Siedlungsraum entgegennahmen. Parallel wurde eine Medienanalyse durchgeführt, in der Presseartikel, Internetforen und Internetseiten von Gemeinden in Baden-Württemberg hinsichtlich der Thematik analysiert wurden. Um herauszufinden, wie außerhalb des Bundeslandes Baden-Württemberg mit Wildtieren im Siedlungsraum umgegangen wird, wurden Fallstudien von verschiedenen Städten in Deutschland und der Schweiz angefertigt. Um den Umgang und die Einstellungen der Bürger Baden-Württembergs zum Thema Wildtiere im Siedlungsraum besser verstehen zu können, wurde im Sommer 2014 das Sozialwissenschaftliche Umfragezentrum in Duisburg beauftragt, eine telefonische Bevölkerungsbefragung in Baden-Württemberg durchzuführen. Um unsere Ergebnisse zu reflektieren und gemeinsam Lösungsansätze zu erarbeiten, wurden im Herbst 2014 und im Frühjahr 2015 jeweils zwei aufeinander aufbauende Workshops in den vier Regierungsbezirken Baden-Württembergs veranstaltet. Teilnehmende Personen gehörten den unterschiedlichen am Wildtiermanagement im Siedlungsraum beteiligten Akteursgruppen an (Gemeindeverwaltung, Forstverwaltung, Polizei, Feuerwehr, Tierschutz, Veterinärwesen, Naturschutzverwaltung und - Verbände, Jagdverwaltung und -Verbände). Im Landkreis Waldshut und im Stadtkreis Freiburg wurden 2017 bis 2019 im Rahmen einer Pilotphase die erarbeiteten Lösungsansätze teilweise umgesetzt.


Ergebnisse

Es zeigte siich, dass Arten wie Steinmarder und Fuchs in den meisten Städten und Dörfern Baden-Württembergs heimisch sind. Wildschweine und Dachse kommen punktuell sehr häufig vor, der Waschbär breitet sich im Nordosten des Bundeslandes langsam aus. Weitere Arten, die im Jagd- und Wildtiermanagementgesetz gelistet sind und in den Ortschaften Baden-Württembergs eine Rolle spielen, sind verschiedene Wasservogelarten, Wildkaninchen, Nutria, Reh, Wildkaninchen und Feldhase. Die einzelnen im Siedlungsraum auftretenden Wildtierarten lösen sehr unterschiedliche Arten von Konflikten aus. Während Wildschwein und Steinmarder vor allem ökonomische Schäden verursachen, hat die Bevölkerung im Bezug auf Füchse vor allem gesundheitliche Bedenken.

Ein Großteil der Bevölkerung gibt an, bei Konflikten mit Wildtieren im Siedlungsraum Unterstützung zu benötigen. In Baden-Württemberg gab es hierzu auf Verwaltungsseite bislang keine einheitlichen Ansprechpartner. Zwar haben einige Landkreise und Kommunen bereits Konzepte entwickelt, jedoch ist es oft vom Engagement einzelner Personen abhängig, ob und in welcher Form Bürgern geholfen wird. Die Ergebnisse zeigen, dass zwar eine große Bereitschaft seitens Behörden und Verbänden gegeben ist, Bürger zu unterstützen, jedoch wird in den wenigsten Fällen präventiv agiert und proaktiv über Wildtiere im Siedlungsraum und Maßnahmen zur Konfliktminimierung  informiert und aufgeklärt. Um dem zu begegnen, wurde als erste Maßnahme diese Informationsseite zu "Wildtieren in der Stadt" im Wildtierportal aufgebaut.

Wildtiermanagement im Siedlungsraum Baden-Württembergs sollte zum Ziel haben, ökonomische Schäden gering zu halten, Sicherheits- und Gesundheitsrisiken zu vermeiden, den Tierschutz zu gewährleisten und das Naturerlebnis der Bevölkerung zu stärken. Ein weiteres Ergebnis Projektes sind Handlungsempfehlungen für die Kreise und Kommunen Baden-Württembergs sein, um diese Ziele zu erreichen. Sie sind in Form des Handbuchs  "Wildtiermanagement im Siedlungsraum" verfügbar, welches im Sommer 2020 veröffentlicht wurde.

 

Lebensraum Stadt

Weshalb dringen Wildtiere in Städte und Dörfer vor und fühlen sich heimisch?

Städte und Dörfer bieten nicht nur Menschen komfortablen Lebensraum, sondern auch einer Vielzahl von Wildtieren. Urbane Gebiete können sogar eine größere Artenvielfalt aufweisen als das Umland. Menschliche Siedlungen sind reich an Strukturen, bieten ganzjährig ein vielfältiges Nahrungsangebot und haben ein milderes Klima als natürliche Lebensräume. Vor allem Städte sind um einige Grad wärmer als ihr Umland. Viele Wildtiere finden hier gute Lebensbedingungen: Sie nutzen unsere Gebäude als Ruheplätze, für die Jungenaufzucht und zur Überwinterung. Die Nähe der Menschen können sie tolerieren: Die meisten stellen für sie keine Gefahr dar, denn Jagd findet im befriedeten Bezirk nicht statt. Es sind also nicht nur die vielfältigen Ressourcen, die Wildtiere in die Nähe des Menschen ziehen. Auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen begünstigen das Auftreten von Wildtieren in Städten und Dörfern.

Lebensraum Stadt

Lebensraum Stadt

Abbildung: Menschliche Siedlungsräume bieten eine Vielzahl an verschiedenen Strukturen, die natürlichen Wildtierhabitaten ähneln: Gebäude bieten fels- und höhlenartige Strukturen, waldartige Strukturen finden sich in Parks und Gärten mit alten Baumbeständen, ruderale Lebensräume finden sich auf Parkplätzen und Schotterflächen, offene Rohböden in Gärten und auf Baustellen, städtische Gewässer und Gartenteiche bieten Lebensraumstrukturen, die natürlichen Wasserlebensräumen ähneln (Grafik in Anlehnung an BUWAL, 1995).

 

Weitere Informationen finden Sie im Handbuch "Wildtiermanagement im Siedlungsraum"

 

Ein Stadttier ist kein Landtier

Anpassungen im Wildtierverhalten an den neuen Lebensraum

Ein entscheidender Faktor, der den Lebensraum „menschliche Siedlung“ für Wildtiere besonders interessant macht, ist neben der Strukturvielfalt die hohe Verfügbarkeit an Nahrung. Einige Bürger füttern Wildtiere aktiv, aber auch durch passive Fütterung, wie für Wildtiere offen zugänglicher Abfall, für Wildtiere erreichbares Haustierfutter, weggeworfene Essensreste oder offene Komposthaufen, besteht im städtischen Umfeld ein ganzjähriges hochenergetisches Nahrungsangebot. Der Nahrungsinput für Wildtiere im Siedlungsraum ist entsprechend hoch. Die menschliche Präsenz zum einen und der Ressourcenreichtum zum anderen führen dazu, dass sich Wildtiere im Siedlungsraum anders verhalten, als wir es von ihren Artgenossen im ländlichen Raum gewohnt sind:

  • Einige Wildtierarten nutzen kleinere Streifgebiete im Siedlungsraum als ihre Artgenossen in ländlichen Gebieten. Dies hat zur Folge, dass diese Arten in Siedlungen in größeren Dichten auftreten können. Erklären lässt sich das mit dem guten Ressourcenangebot. Um satt zu werden und Unterschlupf zu finden, kommt das Wildtier mit weniger Fläche aus. Vice versa bedeutet dies, dass die Tragfähigkeit pro Flächeneinheit in Städten für manche Arten größer ist als im Umland.
  • Bei einigen als territorial geltenden Wildtierarten wie Fuchs und Waschbär verwischen die Reviergrenzen im Siedlungsraum. Auch diese Tatsache liegt im hohen Nahrungsangebot begründet. Ist immer genügend Nahrung für alle vorhanden, besteht kein Grund, sich darum zu streiten.
  • Um den Reichtum an Ressourcen im Siedlungsraum nutzen zu können, müssen sich Wildtiere mit der Nähe zu Menschen arrangieren. Eine Vielzahl an Arten zeigt im Siedlungsraum eine geringere Fluchtdistanz und somit höhere Toleranz gegenüber Menschen als ihre ländlichen Artgenossen. Andere Arten verlagern ihre Aktivitätszeiten von der Dämmerung in die Nacht, um den Menschen aus dem Weg zu gehen.

Je städtischer der Lebensraum, umso höher die Fuchsdichte

Abbildung: Je städtischer der Lebensraum, desto höher die Fuchsdichte - Füchse profitieren von der Nähe zum Menschen (© Dr. Christof Janko)

 

Hinsichtlich ihrer Art der Ressourcennutzung und ihres Vorkommens teilen Riley & Gehrt (2014) Wildtierarten im Siedlungsraum in vier unterschiedliche Kategorien ein:

  • Siedlungsabhängige Wildtierarten (Urban Dependent) sind hinsichtlich ihrer Nahrung und ihres Lebensraums auf die Nähe zu Menschen angewiesen. Diese Arten sind in der Regel klein und mobil, erreichen ihre höchste Populationsdichte in Ortszentren und sind außerhalb von Siedlungen selten anzutreffen. Als Beispiele wären der Haussperling (Passer domesticus) und die Hausmaus (Mus musculus) zu nennen.
  • Als siedlungsausnutzend (Urban Exploiters) werden Wildtierarten bezeichnet, die in der Lage sind, anthropogene Ressourcen zu nutzen, ohne davon abhängig zu sein. Diese Arten sind meist sehr anpassungsfähig, um sich Nahrung und Habitatstrukturen im Siedlungsraum erschließen zu können. Viele sind Generalisten mit breiten ökologischen Nischen, wie beispielsweise der Rotfuchs (Vulpes vulpes), der Waschbär (Procyon lotor) und der Steinmarder (Martes foina). Sie können im Siedlungsraum in höherer Dichte vorkommen als vergleichsweise in ihrem „natürlichen“ Lebensraum; in der Stadt erreichen sie die größten Vorkommen in Gegenden mit vielen Grünflächen.
  • Siedlungstolerant (Urban Tolerant) sind Wildtierarten, die in der Lage sind, einzelne anthropogene Ressourcen zu nutzen, aber im Siedlungsraum kaum höhere Populationsdichten erreichen. Sie treten meist in der Nähe zu „natürlichen“ Habitaten auf oder in Ortsbereichen mit dünner Bebauung und hohem Anteil an Grünflächen. Im Ortszentrum sind sie selten anzutreffen. Ein Beispiel für diesen Anpassungstyp ist das Reh (Capreolus capreolus).
  • Siedlungsmeidend (Urban Avoiders) sind Wildtierarten, die mit urbanen Strukturen oder mit der Nähe zum Menschen nicht zurechtkommen. Manche haben spezielle Ansprüche, die in dörflichen und städtischen Lebensräumen nicht gedeckt werden. Andere wiederum werden von den Menschen nicht geduldet. Solche Arten kommen höchstens am Siedlungsrand vor; allenfalls einzelne durchziehende Individuen können gelegentlich zentrumsnah auftauchen. Als Beispiel nennen Riley & Gehrt (2014) den Puma (Puma concolor) in Nordamerika. In Mitteleuropa fallen der Baummarder (Martes martes) und der Eurasische Luchs (Lynx lynx) in diese Kategorie.

 

Was das Verhalten und die Ökologie von Wildtieren im Siedlungsraum angeht, steht die Wildtierforschung noch am Anfang. Viele Zusammenhänge und Mechanismen sind bislang kaum geklärt. Diese Unsicherheit muss bei der Entwicklung von urbanen Wildtiermanagementkonzepten berücksichtigt werden. Wildtiere in Stadt und Dorf werden uns immer wieder überraschen – und zwar in beide Richtungen: Oft werden sie sich anpassungsfähiger zeigen und besser mit Menschen zurechtkommen, als wir es erwarten. In anderen Fällen wiederum werden sich Wildtierarten nicht mit der Nähe zu Menschen arrangieren können und verschwinden daher sukzessive aus dem städtischen Umfeld.

Urbanes Wildtiermanagement

Was macht Wildtiermanagement im Siedlungsraum?

Wildtiere im Siedlungsraum zwingen uns, unsere traditionellen Strategien und Methoden des Wildtiermanagements zu überdenken. Konzepte aus dem ländlichen Raum und der freien Landschaft lassen sich nicht ohne Weiteres auf einen Bereich übertragen, in dem viele Menschen auf engem Raum leben. Das fängt schon damit an, dass die Jagd in befriedeten Bezirken ruht. Die Jägerschaft kann hierbei aber eine wichtige Rolle innerhalb des urbanen Wildtiermanagements übernehmen: zum einen durch Jägerinnen und Jäger, die im Einzelfall beauftragt werden können, um Probleme zu lösen, und zum anderen durch speziell qualifizierte Stadtjäger, die Beratung, Präventivmaßnahmen und weitreichende rechtliche Befugnisse mitbringen. Das Wildtiermanagement muss im Siedlungsraum in einem strukturellen und gesellschaftlichen Kontext funktionieren.

 

Der gesellschaftliche Kontext und Mensch-Wildtier-Konflikte

Heute kann sich eine Vielzahl an Wildtierpopulationen in unseren Städten und Dörfern etablieren, auch weil dies, anders als im Gegensatz zu früheren Generationen, zulassen oder toleriert wird. Mit steigender Urbanisierung und Modernisierung einer Gesellschaft geht ein Wandel in der soziokulturellen Landschaft einher: Werteorientierungen verändern sich von ländlich-utilitaristisch dominierenden Werten (Wildtiere werden als Ressource gesehen) hin zu mutualistischen Vorstellungen, bei denen Wildtieren eine dem Menschen gleichwertige Existenz zugestanden wird.

Befragung Fuchs Peerenboom et al. 2014

Abbildung: Antworten auf die Frage „Was empfinden Sie, wenn Sie einen Fuchs sehen?“ (Bevölkerungsbefragung in Baden-Württemberg im Jahr 2014). Die Befragten reagierten je nach Kontext, in dem sie einen Fuchs sehen, sehr unterschiedlich.

In einer urbanen Gesellschaft wollen längst nicht alle das Gleiche, dies ist normal und Ausdruck unserer bunten Gesellschaft. Die Bürger haben die unterschiedlichsten, teils gegensätzliche Einstellungen zu Wildtieren. Die einen füttern Wildtiere, um sie beobachten zu können, für die anderen gehören Wildtiere ausschließlich in den Wald, Dritte wiederum fürchten sich vor Wildtieren. Diesen unterschiedlichen Einstellungen und Konflikten muss ein urbanes Wildtiermanagementkonzept gerecht werden.

Konflikte

Abbildung: Übersicht über häufige Konflikte, die im Zusammentreffen von Mensch und Wildtier entstehen können. Einzelne Situationen können verschiedene Formen von Konflikten beinhalten.

 

Ob Wildtiere im Siedlungsraum von der Bevölkerung akzeptiert werden, hängt stark davon ab, wie und wo Mensch und Wildtier Kontakt haben. Zudem fehlen besonders in urbanen Gesellschaften der Bezug zur Natur und die Kenntnis über Tiere und Pflanzen. Der früher zumindest auf dem Land routinierte Umgang mit Wildtieren ist vielfach verloren gegangen. Stattdessen häufen sich Fälle unsachgemäßen Umgangs mit Wildtieren wie Fütterung oder das Bedürfnis, Wildtiere zu berühren, ebenso wie eine übertriebene Risikowahrnehmung und daraus resultierende Ängste. Gleichzeitig bieten Wildtiere im Siedlungsraum eine große Chance, die Bevölkerung wieder näher an die Natur heranzuführen. Für die Praxis bedeutet dies, dass der Kommunikation und Aufklärung ein besonderer Stellenwert im Wildtiermanagement im Siedlungsraum zukommt. Mensch-Wildtier-Konflikte unterscheiden sich je nach Wildtierart. Während Füchse nur geringe ökonomische Schäden verursachen, spielen hier sowohl der psychologische Faktor als auch der Gesundheitsaspekt eine wichtige Rolle. Im Gegensatz dazu können Wildschweine massive Schäden an Grünflächen und Gärten verursachen. Je nach Art des Konfliktes müssen Maßnahmen des Wildtiermanagements gezielt ausgewählt werden.

 

Wildtierart

Ökonomisch

Gesundheitlich

Psychologisch

 

Fuchs


Verschleppen von
Gegenständen

 

Schäden an kleinen

Haustieren

 

Fuchsbandwurm, Räude, Staupe

Ängste vor Krankheits-
übertragung und Angriffen

 

Schäden an kleinen
Haustieren

 

Steinmarder

Schäden in Dachstühlen
 

Zerstörte Autokabel
 

Schäden an kleinen
Haustieren

Lärm

Schäden an kleinen
Haustieren

 


Ärger über ökonomische Schäden

 

Wildschwein

Schäden an Grünflächen,

Gärten und Gebäuden

Verkehrsunfälle

Ängste vor Angriffen

 

Ärger über ökonomische Schäden

 

Dachs

Schäden an Grünflächen, Gärten und Gebäuden

 

Destabilisierung
von Gebäuden

 

Ängste vor Angriffen

 

Ärger über ökonomische Schäden

 

Wild-
kanichen

Schäden an

Grünflächen und Gärten

 

Ärger über ökonomische Schäden

 

Wasservögel

Verunreinigung von

Gewässern

 

Verkotung von Wiesen

Krankheitsübertragung

Ärger über

Verunreinigungen

 

Waschbär

Schäden an Gebäuden
 

Schäden an Obstbäumen

Krankheitsübertragung

Ärger über
ökonomische Schäden

 

Reh

Schäden an Grünflächen und Gärten (Verbiss von Rosenknospen etc.)

Verkehrsunfälle

Ärger über

ökonomische Schäden

Tabelle: Überblick über negative Auswirkungen von Wildtieren im Siedlungsraum, gegliedert nach Wildtierarten und Wirkungstypen

 

Auswahl an Managementmaßnahmen

Für das Wildtiermanagement im Siedlungsraum müssen kreativere Ansätze und Maßnahmen entwickelt und umgesetzt werden, wie etwa die Errichtung von Barrieren und Zäunen, Vergrämung von Wildtieren oder die Steuerung des Habitats. Eine zentrale Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang der Beratung und Information von Bürgern hinsichtlich der Prävention von Mensch-Wildtier-Konflikten zu.

 

Viele unterschiedliche Akteure und Zuständigkeitsbereiche

Wildtiere im Siedlungsraum und insbesondere die damit zusammenhängenden Konflikte berühren verschiedenste Lebensbereiche – beispielsweise Gesundheit, Besitztümer und Sicherheit. Entsprechend sind am Management der jeweiligen Auswirkungen von Konflikten mit Wildtieren viele unterschiedliche Stellen und Akteure beteiligt – etwa aus den Bereichen Jagd, Tierschutz, Veterinärwesen etc. Diese gilt es bei der Entwicklung von Wildtiermanagementkonzepten einzubinden und in ihren Zuständigkeiten zu koordinieren. Darin besteht eine große Herausforderung.

 

Weiterführende Informationen finden Sie im Handbuch "Wildtiermanagement im Siedlungsraum"

Wo finde ich Unterstützung?

Mensch-Wildtier-Konflikte mit Wildtieren im Siedlungsraum entstehen oft dadurch, dass die betroffenen Bürgerinnen und Bürger nicht ausreichend über die Nachbarschaft mit Wildtieren informiert sind. Diese Onineangebot hat zum Ziel, die nötigen Informationen möglichst umfassend bereitzustellen. Falls diese Informationen nicht ausreichen, um akute Probleme zu lösen, sollte ein lokaler Ansprechpartner kontaktiert werden.

Die für Ihren Landkreis zuständigen Wildtierbeauftragten erreichen Sie über die untere Jagdbehörde Ihres Stadt- oder Landkreises. 

Im Garten Zuhause © Frank Dyllick-Brenzinger

Wer war das?

Wildtiere hinterlassen oft Spuren im Garten oder auf der Terrasse. Oft finden sich nur diese Indizien, ohne das Wildtiere direkt gesehen oder beobachtet werden können. In dieser Rubrik werden daher typische Spuren von Wildtieren vorgestellt, die sich im Garten, am Haus und in anderen Bereichen des alltäglichen Lebens finden. Diese sollen Bürgerinnen und Bürgern helfen herauszubekommen, welches Wildtier sich hinter den Indizien verbirgt.

Dachs © PantherMedia / Jaroslav Frank

Der Dachs als Naschkatze © PantherMedia / Jaroslav Frank

Spuren im Garten

Trittsiegel und Fährten

Unsere heimlichen Gäste im Garten hinterlassen oft Abdrücke und Fährten in weicher Erde, durch deren Bestimmung man den Besuchern auf die Schliche kommen kann.


Trittsiegel mit 4 sichtbaren Zehenabdrücken

Fuchs

Der Fuchs besitzt an der Vorderpfote 5 Zehen und 4 Zehen an der Hinterpfote. Die Innenzehe der Vorderpfote befindet sich jedoch zu hoch und hinterlässt keinen Abdruck in der Spur.  Die Länge des einzelnen Pfotenabdrucks beträgt etwa 5 cm und die Breite 4- 4,5 cm. Der Abdruck eines Fuchses wirkt länglicher und spitzer als der eines Hundes, zudem sind die Krallenabdrücke schlanker und spitzer. Sehr charakteristisch ist die Spurbahn des Fuchses. So läuft er meist im Trab und die Abdrücke befinden sich in einer Linie wie an einer Kette aufgereiht.

Foto:  © Kerstin Krahwinkel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Feldhase

Der Feldhase hat am Vorderfuß 5 Zehen, von denen im Abdruck meist jedoch nur 4 sichtbar sind. Der Vorderfuß ist etwa 5 cm lang und 3 cm breit, während die Hinterfußspur etwa 6 cm lang und 3,5 cm breit ist. Die Maße können aber stark abweichen, da im Schnee und auch wenn der Hase die Zehen spreizt, die Abdrücke viel größer werden können. Die Abdrücke der spitzen Krallen sind meist sichtbar. Ist der Boden sehr fest, sind häufig nur die Krallen zu erkennen, da die Fußsohlen mit einer dicken Schicht kräftiger, elastischer Hare versehen sind. Die Spurbahn des Feldhasen besteht in der Regel aus regelmäßigen Spurgruppen. Eine Gruppe setzt sich zusammen aus den beiden hintereinander stehenden kurzen Vorderlaufspuren und den Hinterlaufspuren, die nebeneinander vor die Vorderpfoten gesetzt werden.

Foto: © PantherMedia / salman2

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wildkaninchen
Die Pfotenabdrücke des Wildkaninchens ähneln denen des Feldhasen. Allerdings sind sowohl die Abstände zwischen den Spurgruppen, als auch die Abdrücke selbst, wesentlich kleiner. Die Hinterlaufspur eines Kaninchens ist etwa 4 cm lang und 2,5 cm breit. Der Vergleich mit einer Streichholzschachtel ist ein gutes Hilfsmittel zur Unterscheidung beider Arten. So entspricht die Breite der Feldhasenspur der Breite einer normalen Streichholzschachtel, während die Kaninchenspur deutlich schmaler ist. Zudem treten Wildkaninchen oft in Gruppen auf und so sind häufig Spuren mehrerer Tiere zu finden.
 

Trittsiegel mit 5 sichtbaren Zehenabdrücken

Steinmarder
Bei deutlichen Abdrücken sind alle 5 Zehen des Steinmarders und die Krallen erkennbar. Die Ballen sind meist recht deutlich zu sehen. Außer den Zehenballen findet man auch halbkreisförmig angeordnete Zwischenballen und am Vorderfuß einen runden Handwurzelballen am Außenrand des Fußes. Die Vorderfußspur des Steinmarders ist in etwa 3,5 cm lang und 3,2 cm breit. Die Hinterfußspur ist mit ca. 4 cm etwas länger, dafür jedoch ein paar Millimeter schmaler. Meistens bewegt sich der Steinmarder in Sprüngen fort, sodass die einzelnen Pfotenabdrücke sehr eng zusammenstehen oder sich sogar überlagern.

Foto: © Simone Roters

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dachs
Die Spur des Dachses sieht aus wie die eines kleinen Bären. Deutlich zu erkennen sind die 5 Zehen mit den langen charakteristischen Krallen. Die Länge des Vorderfußabdrucks ist zwischen 5 und 7 cm lang, je nachdem wie der Dachs auftritt. Die Breite des Pfotenabdrucks beträgt ca. 4 cm. Der Hinterfußabdruck ist mit einer Länge von 4,5- 6,5 cm und einer Breite von ca. 3,5 cm etwas kleiner. Foto: © Kerstin Krahwinkel


 

 

 

 

Waschbär
Der Waschbär hat an Vorder- und Hinterpfoten 5 lange Zehen und große Krallen. Der Abdruck des Vorderfußes ist etwa 7 cm lang und breit und zeigt stark gespreizte Zehen. Die Hinterfußspur ist mit etwa 9 cm ein Stück länger und mit 6- 7 cm Breite schmaler. Häufig stehen die Spurenabdrücke paarweise, sodass beispielsweise ein linker Hinterfuß neben einem rechten Vorderfuß steht. Foto: © PantherMedia / dvorak.vero



 

 

 

 

Nutria
Der Abdruck des Vorderfußes weist 5 Zehen und lange Krallen auf. Beim Hinterfuß ist zusätzlich eine Schwimmhaut vorhanden, die man auf weichem Boden gut erkennen kann. Die äußere Zehe allerdings ist nicht mit dieser Schwimmhaut verbunden. Die Hinterfüße sind bis doppelt so lang wie die Vorderfüße. Die Länge ist abhängig von Alter und Geschlecht, kann aber bis zu 14 cm erreichen. Auf weichem Untergrund ist meist eine Schleifspur des Schwanzes erkennbar. Foto: © Kerstin Krahwinkel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Klauen- oder Schalenspuren

 

Reh
Rehe gehören zu den Schalenträgern. Das Trittsiegel weist eine schmale, spitze Form der Schalen auf und ist etwa 4,5 cm lang und 3 cm breit. Oft setzt das Reh beim Gehen den Hinterfuß in den Vorderfuß. Die vorderen Schalen sind häufig ein bisschen gespreizt, während die hinteren Schalen dicht beisammen stehen.

Wildschwein
Das Wildschwein gehört wie das Reh zu den Schalenträgern. Das Trittsiegel unterscheidet sich vor allem dadurch, dass beim Wildschwein in der Regel das Geäfter (Afterklauen) gut zu sehen ist, sodass die Fährte trapezförmig wirkt. Junge Schweine haben recht spitze Schalen, wohingegen diese bei älteren Tieren abgerundeter und kräftiger sind.

Grab- und Wühlspuren

Löcher im Rasen

Auf der Suche nach Regenwürmern und Engerlingen sticht der Dachs immer wieder mit der Nase in den Rasen und so entstehen zahlreiche, etwa 5 cm breite bis faustgroße Löcher. 


 

 

 

 

 

 

Foto: © Fanny Betge

 

Aufgewühlte Erde und Gartenbeete

Wildschweine treten meist in Rotten auf und schieben auf der Nahrungssuche oft die ganze Grasnarbe weg, um an Wurzeln, Würmer, Engerlinge, Schnecken und Blumenzwiebeln zu gelangen. Sie durchwühlen großflächig den Boden und hinterlassen meist ein charakteristisches Bild.

 
 

 

 

 

 

 

 

Fotos: © Markus Handschuh

 

Durchschüpfe unter Zäunen

Um in den Garten zu gelangen, buddeln sich Füchse gerne unter Zäunen hindurch. An diesen Durchschlüpfen kommen viele andere Wildtiere wie Steinmarder, Dachse, Feldhasen und Kanninchen hindurch Auch Katzen und Igel nehmen diese Wechsel sehr gerne an, um von einem in den anderen Garten zu gelangen.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto: © Geva Peerenboom

 

 

Kot / Losung

Häufig bleiben nur die Hinterlassenschaften unserer heimlichen Nachbarn im Garten zurück und können Aufschluss geben über die Tierart oder deren letzte Mahlzeit. Wenn man sich einmal Zeit nimmt und genauer hinschaut, kann man herausfinden, wer nachts auf dem Grundstück zu Gast war.
 

Fuchs

  • ca. 5- 8 (10) cm lang, ca. 2 cm dick und wurstartig

  • meist an einem Ende spitz ausgezogen/ spitz zulaufend

  • Farbe zwischen schwarz und grau

  • oft Nahrungsreste wie Früchte, Samen oder Mäusehaare sichtbar

  • oft an erhöhten Plätzen wie Grasbüscheln oder Randsteinen abgelegt

 

Foto: Nachbildung Fuchskot © Marcel Nyffenegger

---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Steinmarder

  • 8- 10 cm lang und wurstartig

  • ähnlich wie Fuchs, aber mit 1- 2 cm Durchmesser dünner

  • oft spiralig gedreht

  • dunkelgrau oder schwarz

  • oft Reste von Haaren, Obstkernen und Federn

  • unangenehmer Geruch

 

Foto: Nachbildung Marderkot © Marcel Nyffenegger

---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Dachs

  • je nach Ernährung wurstförmig und trocken oder breiartig und flüssig

  • kann Kot des Fuches ähneln, jedoch mehr zylindrisch und Oberfläche ist uneben und rau

  • Inhalt besteht aus Insektenresten, Haaren, Körnern und Beeren

  • wird in kleine längliche ca. 10 cm tiefe Löcher (Latrinen) abgesetzt

  • Latrinen häufig in der Nähe des Baus oder an einem Dachswechsel

 

Foto: Nachbildung Dachskot © Marcel Nyffenegger

---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Waschbär

  • wird in Latrinen abgelegt, bevorzugt an erhöhten Stellen wie Brennholzstapeln, dicken Ästen

  • ähnelt dem eines kleinen Hundes

  • enthält häufig Kirschkerne usw.

---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Reh

  • 1- 14 mm lang und 7- 10 mm breit

  • schwarz oder dunkelbraun gefärbt

  • im Winter kurz zylindrisch bis kugelförmig, an einem Ende abgerundet und am anderen Ende spitz zulaufend; im Sommer häufig in großen zusammenhängenden Klumpen

 

Foto: Nachbildung Rehlosung © Marcel Nyffenegger

 

---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Wildkaninchen

  • Losung ist mit etwa 10 mm Durchmesser kleiner als die des Feldhasens

  • kugelförmig

  • oft auf kleinen Erhöhungen, Erdhügeln, Maulwurfhaufen; Latrinenplätze mit großen und auffallenden Losungsmengen

---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Feldhase

  • 15- 20 mm Durchmesser, regelmäßig rund und fest

  • im Winter hell- oder gelbbraun und etwas flach angedrückt

  • im Sommer dunkler, manchmal fast schwarz und gelegentlich zu kleiner Spitze ausgezogen

  • besteht aus recht groben Pflanzenteilen

 

Foto: Nachbildung Feldhasenlosung © Marcel Nyffenegger

 

---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Wildschwein

  • etwa 7 cm dick

  • wurstartig

  • aus zusammengeklebten, länglichen Knollen bestehend

 

Foto: Nachbildung Wildschweinkot © Marcel Nyffenegger

 

 

---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Nutria

  • 3- 5 cm lang und etwa 1 cm dick

  • bohnenförmig- zylindrisch mit meist typischen länglichen Rillen

  • schwimmend im Wasser oder an Fraßplätzen

 

Foto: © Simone Roters

Frassspuren

... an Knospen und Trieben

Reh
Rehe fressen besonders im Winter die Knospen und Triebe verschiedener Bäume und Sträucher. In Gärten werden mit Vorliebe Rosenknospen gefressen. Bei Schneelage kann man Scharrspuren entdecken, wenn die Tiere mit ihren Hufen den Schnee beiseite schieben, um an darunter gelegenes Grün zu gelangen. Foto: © Ilse Storch

 

 

 

 

 

 

Wildkaninchen, Feldhase

Beide Arten beißen besonders im Winter die Zweige junger Bäume ab. Manchmal werden diese vollständig gefressen, oft bleiben die abgebissenen Zweige unberührt liegen. Kennzeichnend ist der glatte, schräge Abbiss, wodurch es aussieht, als wäre der Zweig mit Hilfe eines Messers abgeschnitten worden. Sie nagen auch die Rinde von Obst- und Nadelbäumen ab. Die Bissspuren gehen dabei quer zur Faserrichtung des Zweiges. Hoher Schnee ermöglicht es den Tieren, an höher gelegene Stellen des Baumes zu gelangen.

 

Nutria
Es kommt vor, dass die Nager Rinde von Weichhölzern wie Erle, Weide oder Haselnuss bis zu einer Höhe von 50 cm schälen. Typisch sind die paarigen Nagespuren der vorderen Nagezähne von etwa 1,7 cm Breite. Abbeißen können Nutrias allerdings nur Äste, die nicht dicker als 5 cm sind.


... an Früchten

Steinmarder
Steinmarder fressen beispielsweise gerne herabgefallene Pflaumen. Er kann die Früchte jedoch auch oben in den Bäumen erreichen. Dem Steinmarder wird eine Vorliebe für Süßes nachgesagt. So sammelt und scharrt er auch im Schnee nach Resten von Zwetschgen, Birnen und Äpfeln.

Waschbär
Waschbären lieben süßes und matschiges Obst wie Himbeeren, Kirschen, Birnen etc.

Dachs
Dachse im Garten fressen z.B. Blaubeeren, Weintrauben und Fallobst wie Äpfel und Zwetschgen. Besonders Jungdachse sollen sich häufiger an dem herumliegenden süßen Obst bedienen. Auch milchreifer Mais wird vom Dachs gerne gefressen. Sie knicken die Maiskolben um und knabbern dann die einzelnen Körner ab.

 

... an Müllsäcken, Komposthaufen

Waschbär
Aufgerissene Müllsäcke und auf dem Boden verteilte Lebensmittelreste wie Joghurt, Pizza, Hähnchen und Küchenabfälle deuten auf die nächtliche Nahrungssuche eines Waschbären hin.

Foto: © PantherMedia /
frostedcmos@yahoo.com

 

 

 

 

Fuchs
Untersuchungen der Züricher Stadtfüchse haben gezeigt, dass über Zwei Drittel der Fuchsnahrung direkt oder indirekt von menschlicher Quelle stammen. So bedienen sie sich regelmäßig an Komposthaufen, dem Inhalt von Müllsäcken oder Obst und Beeren aus dem Garten. Sollten Sie also am Morgen Ihren Abfallsack zerschlissen und den Inhalt weit verstreut in der Straße vorfinden, könnte das auf den nächtlichen Besuch eines Fuchses hindeuten.

Wildschwein
Als Allesfresser machen sich Wildschweine in Siedlungen auch über Komposthaufen und Abfälle her. Großfllächig durchwühlte Komposte und umgeworfene Mülltonnen deuten auf den Besuch von Wildschweinen hin. Auf ihrer Suche nach Fressbarem durchwühlen sie Beete und Rasenflächen und hinterlassen auffallende und tiefe Spuren.

Steinmarder
Steinmarder fressen beispielsweise gerne herabgefallene Pflaumen. Er kann die Früchte jedoch auch oben in den Bäumen erreichen. Dem Steinmarder wird eine Vorliebe für Süßes nachgesagt. So sammelt und scharrt er auch im Schnee nach Resten von Zwetschgen, Birnen und Äpfeln.

Füchse, Rehe und Rabenkrähen stecken ihre Nasen auch gerne mal in den Kompost.

Foto: © Ilse Storch

Baue

Wildkaninchen, Füchse und Dachse graben sich Baue und hausen dann unter der Erde in einem mehr oder weniger verzweigten System von Gängen. Die Baue der verschiedenen Arten kann man u.a. unterscheiden an der Größe des Eingangsloches, an den vorhandenen Pfotenabdrücken, Losungen oder auch an der Art, wie der Sand aus dem Bau geschoben wurde.


Der Bau des Wildkaninchens

Der Bau des Wildkaninchens liegt etwa 40- 50 cm unter der Erdoberfläche und verfügt über zahlreiche Gänge sowie Ein- und Ausstiege. Vor vielen Löchern bildet die herausgeschobene Erde einen Haufen. Auf den "Pfaden" zwischen den verschiedenen Ausgängen kann man häufig Losung finden.

Foto: © Geva Peerenboom

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Fuchsbau

Der Fuchs legt ganz verschiedene Baue an. So kann es auch einfach nur eine Aushöhlung unter einem Stein oder einer Baumwurzel sein. Die ausgegrabene Erde wird am Ausgang nach allen Seiten verstreut, sodass sich ein fächerförmiger Haufen bildet. Der Durchmesser eines Einschlupfes kann 25 cm betragen und mit den Jahren immer größer und ausladender werden. Einen bewohnten Bau erkennt man oft schon am scharfen Raubtiergeruch des Fuchses.

Foto: © Panthermedia / schlag

 

 

 

 

 

 

 

Der Dachsbau

Der Dachs baut einen ähnlichen Bau wie der Fuchs, jedoch meist größer. Vor dem Eingang entsteht oft eine Furche, da der Dachs die Erde weiter aus dem Bau herausschiebt. Vor dem Bau liegen häufig Moos,- Laub- oder Heureste. Der starke Raubtiergeruch fehlt beim Dachs.

 

 

 

 

 

 

Foto: © Alina Janssen

Spuren im Haus

Kot, Urin und Futterreste

Häufig nimmt man zu Beginn gar nicht wahr, dass man tierische Untermieter im Haus hat. Doch irgendwann stößt man auf das WC des Gastes oder auf halbverweste Futterreste. Die häufigsten Untermieter sind Steinmarder, Siebenschläfer, Fledermäuse und Waschbären.
 

Steinmarder

Der Kot ist...

  • 8- 10 cm lang und wurstartig

  • ähnlich wie Fuchs, aber mit 1- 2 cm Durchmesser dünner

  • oft spiralig gedreht

  • dunkelgrau oder schwarz

  • oft mit Resten von Haaren, Obstkernen und Federn

Der Steinmarder legt seinen Kot oft in derselben Ecke ab und so kann nach einiger Zeit ein recht ansehnlicher Haufen zustande kommen. Oft findet man auch Beutereste und zusammen mit dem Urin des Marders kann ein sehr penetranter Geruch entstehen. Zudem legen Steinmarder gerne Vorräte an und so kann es vorkommen, dass man auf dem Dachboden bespielsweise ein Lager von Hühnereiern findet.

Foto: Nachbildung Marderkot © Marcel Nyffenegger

 

 

 

 

 

 

Waschbär

Der Kot...

  • wird in Latrinen abgelegt, bevorzugt an erhöhten Stellen wie Brennholzstapeln, Dachböden

  • ähnelt dem eines kleinen Hundes

  • enthält häufig Kirschkerne usw.

 

Kratz- und Beissspuren

Wenn sich ein Wildtier im Keller oder auf dem Dachboden eingemietet hat, ist das häufig nicht zu übersehen.

Steinmarder auf dem Dachboden

Steinmarder richten sich gerne auf Dachböden von Wohnhäusern ein. Oft bemerkt man sie gar nicht, aber wenn man zerbissenes oder zerkratztes Dämmmaterial findet, deutet es darauf hin, dass sich ein Marder daran zu schaffen gemacht hat.

Foto: © PantherMedia / CreativeNature

 

 

 

 

 

 

 

Waschbären unter dem Dach

Ob sich eine Waschbärfamilie unter dem Dach eingemietet hat, kann man an verschobenen Dachziegeln erkennen, aufgebogenen Bleieinfassungen von Schornsteinen und anderen erweiterten, aufgekratzten und aufgebissenen Einschlupflöchern. Abdrücke an Regenrinnen und Fallrohren, die wie kleine Kinderhände aussehen sowie Kratzspuren an Balken und Holzständern, können ebenfalls Hinweise auf herumtollende Waschbärjunge sein.

Foto: © PantherMedia / Karin Jähne

Geräusche

Wenn es in der Nacht auf Ihrem Dachboden rumpelt, knallt und dazu vielleicht auch noch lange und laute Quiek-, Fiep- oder Pfeiflaute zu hören sind, handelt es sich dabei vermutlich um eine Siebenschläferfamilie. Die Nager schlafen tagsüber, werden zur Dämmerung aber wieder aktiv und veranstalten viel Lärm, wenn sie zur Nahrungssuche aufbrechen oder wenn sie von ihren Streifzügen zurückkommen. Im Herbst kann es besonders laut werden, da zu dieser Jahreszeit mehrere Geschwister mit ihrer Mutter zusammen leben. Wenn dann am Abend die Spielzeit beginnt und die Jungen miteinander balgen und herumrennen, veranstalten sie dabei oft ein lautstarkes Spektakel. 

 

Im Frühjahr und Sommer können auch Steinmarder während der Jungenaufzucht großen Lärm verursachen. Die jungen Marder geben während ihres Spiels verschiedene Laute wie Fauchen, Knurren und Schreie von sich.

Auch Waschbären verhalten sich nicht immer still. Beim Spiel rumpeln auch sie über den Dachboden oder lassen Gequieke und Kreischereien hören.

Um zu unterscheiden, wer da unter dem Dach lebt, kann man sich auf die Suche nach den Hinterlassenschaften der Tiere machen.

 

 

 

Fotos: © Pixabay.com

Spuren am Auto

Automarder

Stößt man im Motorraum seines Autos auf Haare, Pfotenabdrücke oder Kurioses wie Brötchen, Eier oder tote Kleintiere, kann man davon ausgehen, dass sich dort ein Steinmarder getummelt hat. Wenn dazu auch noch Beschädigungen an Dämmmaterial oder Kabeln festzustellen sind, kann man sich dessen ganz sicher sein.

Motorräume frei stehender Autos sind ein attraktiver Unterschlupf für Marder. Sie können sich darin verstecken oder kurz ausruhen. Zudem können sie Beute in ihnen lagern und für die Jungtiere ist es ein einladender Spielplatz. Es werden verschiedene Gründe diskutiert, warum es passieren kann, dass Steinmarder Kühlschläuche, Dämmungen oder Kabel zerbeißen. Zum einen erkundet und prüft ein Marder Gegenstände mit den Zähnen, um seine Neugier zu stillen, so wie wir es mit unseren Händen tun. Zum anderen leben gerade junge Marder auf diese Weise ihren Spieltrieb aus. Die Hauptursache sind aber vermutlich Aggressionen bei Revier- Auseinandersetzungen zwischen zwei Steinmardermännchen. Marder markieren ihr Revier mit Urintröpfchen- so auch den Motorraum. Womöglich hat man daheim einen Marder der regelmäßig das Auto aufsucht und darin ruht, ohne irgendwelche Schäden anzurichten. Wechselt man dann den Parkplatz und lässt sein Auto unbewusst in einem anderen Marderrevier stehen, fühlt sich der ortsansässige Marder durch den fremden Duftstoff provoziert und lässt seine Agressionen an Kabeln und Kühlschläuchen aus. Bewegt man danach das Fahrzeug wieder zurück, kann es passieren, dass der "eigene" Marder auf die gleiche Weise reagiert.

...noch Fragen?

Fragen zu Wildtieren, ihrem Vorkommen, Verhalten, Besonderheiten und dem Zusammenleben zwischen

Mensch und Wildtier sind im Frage- Antwortstil in den FAQ für Sie hinterlegt. 

Weitere Informationen im FAQ-Bereich

Einer der häufigsten Stadtbewohner - der Steinmarder © PantherMedia / were-photography

Mitmachen

 

Ihre Wildtierbeobachtungen im Siedlungsraum können einen wertvollen Beitrag für die Wildtierforschung leisten. Machen sie mit und teilen Sie Ihre Wildtierbeobachtungen über die Plattform "Wilde Nachbarn Baden-Württemberg" !

 

Professur für Wildtierökologie und Wildtiermanagement Uni Freiburg

© Universität Freiburg - Wildtierökologie

Literaturtipps

Wildtiermanagement im Siedlungsraum

Geva Peerenboom, Fanny Betge, Christof Janko, Ilse Storch.
Ein Handbuch für Kreise und Kommunen in Baden-Württemberg. Herausgegeben von der Professur für Wildtierökologie und Wildtiermanagement/Uni Freiburg.

 

Pindactica-Entdeckerheft "Wilde Tiere in der Stadt"
Entdeckerheft für kleine und große Kinder, gefördert duch die Stiftung Naturschutz Berlin aus Mitteln der Jagdabgabe.

 

Animal-Aided Design: Bauen für Mensch und Tier

Broschüre der TU München, in der Konzepte vorgestellt werden, wie die Bedürfnisse von Wildtieren in die Städteplanung integriert werden können. 

 

Stadtfauna - 600 Tierarten unserer Städte
Ineichen, Stefan (Hrsg.) / Ruckstuhl, Max (Hrsg.) / Klausnitzer, Bernhard (Hrsg.)
Haupt- Verlag. Ein ausführliches Nachschlagewerk über rund 600 Arten, die in den letzten Jahren in mitteleuropäischen Städten beobachtet werden konnten.

 

    Stadtfüchse - Ein Wildtier erobert den Siedlungsraum
    Gloor, Sandra / Bontadina, Fabio / Hegglin, Daniel
    Haupt- Verlag
    Ein Bericht über die Ergebnisse eines 1995 begonnenen Forschungsprojektes in Zürich und eine reich bebilderte Darstellung vom Leben der Stadtfüchse.

     

    Tiere in der Stadt: Eine Naturgeschichte
    Kegel, Bernhard
    Dumont
    Unterhaltsame Lektüre über die Wildnis vor unserer Haustür.

     

    Wildes Berlin
    Koch, Rosie / Gockel, Roland
    Ein Film über den Berliner Großstadtdschungel

     

    Die Tiere kommen zurück
    Krüger, Michael / Buchholz, Quint
    Sanssouci
    Eine Erzählung über die Rückkehr der Wildtiere in unsere Städte.

     

    Stadtfüchse
    Schneider, Jost
    Eine Dokumentation über das Leben einer Fuchsfamilie in der Stadt