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Forstliches Gutachten

Die Erhaltung von gesunden und stabilen heimischen Wildtierpopulationen unter Vermeidung von negativen Beeinträchtigungen der ordnungsgemäßen land-, forst- und fischereiwirtschaftlichen Nutzung durch Wildtiere ist ein Ziel des Jagd- und Wildtiermanagementgesetzes (JWMG).

Um das Erreichen dieses Ziels im Wald zu evaluieren, wurde das Forstliche Gutachten eingeführt. Es wird auf Ebene der Jagdreviere im Dreijahresturnus durchgeführt, erfasst den Wildverbiss und die waldbauliche Zielerreichung und dient als wichtige Grundlage für die Zielvereinbarung innerhalb der Rehwildbewirtschaftung ohne behördlichen Abschussplan und den damit verbundenen Dialogprozess zwischen den lokalen Akteuren.

Tannenverjüngung © Jan Geyer

Das Forstliche Gutachten in Baden-Württemberg

Das Forstliche Gutachten wird in Baden-Württemberg seit 1983 von den Unteren Forstbehörden in rund 6.500 Jagdrevieren durchgeführt. Es ist im § 34 Abs. 1 des Jagd- und Wildtiermanagementgesetzes (JWMG) verankert und kommt in allen staatlichen und kommunalen Eigenjagden und den gemeinschaftlichen Jagdbezirken zum Einsatz. Das Forstliche Gutachten wurde ausdrücklich als ein subjektives Schätzverfahren konzipiert und ist auf eine leichte Handhabbarkeit vor Ort, Transparenz sowie rasche Verfügbarkeit der Ergebnisse ausgelegt.

Im Forstlichen Gutachten werden für jedes Jagdrevier die waldbauliche Verjüngungsfläche, die Verbissintensität und die waldbauliche Zielerreichung getrennt für die einzelnen Hauptbaumarten geschätzt. So wird in einem beispielhaften Jagdrevier angegeben, dass eine Tannenverjüngungsfläche  vom 10ha vorhanden ist, der Verbiss an den dortigen Tannen wird als „mittel“ eingestuft (zwischen 21-50% der Verjüngung ist verbissen) und die waldbaulichen Verjüngungsziele durch den Rehwildverbiss können lokal nicht erreicht werden. Basierend auf dieser Einstufung wird eine Empfehlung für die Abschussplanung in den kommenden drei Jahren gegeben.

In anschließenden Waldbegängen werden die Ergebnisse des Forstlichen Gutachtens mit den Grundeigentümern und Jägern diskutiert, vor Ort veranschaulicht und hierdurch ein lösungsorientierter Dialogprozess initiiert. In unserem Beispielrevier wird vereinbart, dass die Höhe des Rehwildabschuss beibehalten werden kann, allerdings auf den wichtigen Tannenverjüngungsflächen intensiver gejagt werden soll. Diese Übereinkunft wird nun in die Zielvereinbarung zur Rehwildbejagung mit aufgenommen.  

Durch die flächige Anwendung erlaubt das Forstliche Gutachten ebenfalls das periodische Monitoring der Waldverjüngung und des Verbisseinflusses für Baden-Württemberg. Bei den meisten Baumarten  zeigt sich nur eine geringe Beeinflussung durch den Rehwildverbiss. Nicht jedoch bei den im Klimawandel wichtigen Baumarten Eiche und Tanne. Auch wenn hier die Verjüngungsziele in vielen Revieren erreicht werden, lassen sich einige Regionen identifizieren, in denen deutlicher Handlungsbedarf geboten ist und die walbaulichen Ziele flächig nicht erreicht werden können. Dies verlangt gemeinsames und zielorientiertes Handeln von allen Akteuren vor Ort.

siehe auch Forschungsprojekt zum Waldumbau im Klimawandel und Wildverbiss

Waldbauliche Zielerreichung © FVA

Waldbauliche Zielerreichung © FVA

Forstliches Gutachten 2021

Das forstliche Gutachten wird alle drei Jahre neu erstellt. Turnusgemäß werden 2021 für alle Jagdreviere, die in den staatlichen und kommunalen Eigenjagdbezirken sowie den gemeinschaftlichen Jagdbezirken gebildet wurden, forstliche Gutachten erstellt.  

Hier finden Sie die aktuelle Verfügung zur Erhebung der Gutachten einschließlich der wichtigsten Anlagen.