Im Rahmen des Projektes soll ermittelt werden, ob es sich bei den hierzulande erlegten Krick- Tafel- und Schnatterenten überwiegend um Zugvögel oder heimische Vögel handelt. Die Erkenntnisse über die genaue Herkunft der erlegten Individuen können wichtige Informationen über den Einfluss der Jagd auf die lokalen Brutbestände sowie wissenschaftliche Grundlagen für ein überregional abgestimmtes Zugvogelmanagement liefern.
Isotopenanalysen bei Wildenten
Krickentenpaar © Shutterstock / MM.Wildlifephotos
Verhalten der Wildenten in Baden-Württemberg - Motivation zum Projekt
Jährlich rasten und überwintern in Baden-Württemberg zehntausende Wildenten, darunter auch seltene Vogelarten wie Krickente, Tafelente und Schnatterente. Die Rastbestände dieser Vogelarten übertreffen dabei die vergleichsweise kleinen baden-württembergischen Brutbestände deutlich.
Krickente und Schnatterente zählen dabei weltweit mit geschätzten Beständen von etwa 2,8 Mio. bzw. 4,8 Mio. erwachsenen Individuen zu den häufigeren Wildentenarten.
Die Tafelente ist mit einem globalen Bestand von rund 800.000 Tieren hingegen seltener vertreten.
Während der überwiegende Teil dieser drei Zugvogelarten regelmäßig zwischen Brut- und Überwinterungsgebieten um den Globus wandert, gibt es in Mitteleuropa einige Regionen, in denen Krick-, Tafel- und Schnatterenten in kleinen Beständen ganzjährig vorkommen. Diese lokalen Brutbestände sind teilweise stark gefährdet und zeigen oft rückläufige Tendenzen – so auch die Brutbestände in Baden-Württemberg.
Vor diesem Hintergrund ist eine genaue Untersuchung der möglichen Gefährdungsursachen dieser Brutbestände erforderlich. Dazu gehören auch die Untersuchung und Bewertung eines möglichen Einflusses der lokalen Bejagung.
Die Gewässer Baden-Württembergs sind für Zugvögel wie die Tafelente von überregionaler Bedeutung als Rast- und Überwinterungsgebiete © Peter Linderoth
HINTERGRUND
Baden-Württemberg ist für zahlreiche ziehende und überwinternde Wasservögel von überregionaler Bedeutung. Insbesondere der Bodensee, seine Nebengewässer und die Rheinebene werden von großen Zahlen verschiedener Wildentenarten als Rast- und Überwinterungsgebiete genutzt. Die Zahl der rastenden Vögel übersteigt dabei die jeweiligen baden-württembergischen Brutbestände teilweise um ein Vielfaches.
Von besonderem Interesse sind dabei die Krickente, die in Baden-Württemberg 25-40 Brutpaare aufweist, sowie Tafel- und Schnatterente die beide im Bestand rückläufig sind. Gleichzeitig werden alle drei Arten während der Zug- und Überwinterungszeit bejagt.
Die Bejagung der drei Arten in Baden-Württemberg findet von September bzw. Oktober bis zum 15. Januar statt. Dabei wird davon ausgegangen, dass sich die Bejagung vor allem auf die Rastpopulationen auswirkt und weniger auf die heimischen Brutvögel.
Darüber hinaus ist nicht bekannt, aus welchen geografischen Regionen die in Baden-Württemberg rastenden Wildenten tatsächlich stammen. Dies ist jedoch für eine überregionale Bewertung der Bejagung von großer Bedeutung, da sich die Bestandsentwicklung und Gefährdungssituation zwischen den verschiedenen Brutgebieten in Mitteleuropa, Skandinavien und Sibirien stark unterscheidet. Im Sinne eines koordinierten Zugvogelmanagements ist es daher wichtig zu wissen, ob die hierzulande überwinternden Zugvögel aus Regionen stammen, in denen die Brutbestände gefährdet sind, oder ob die Vögel aus Gebieten stammen, in denen stabile Brutvorkommen eine nachhaltige Bejagung erlauben.
Das Projekt soll erstmals für den süddeutschen Raum detailliert untersuchen, aus welchen Brutregionen die in Baden-Württemberg rastenden Wildenten stammen. Dadurch soll eine fundierte Grundlage geschaffen werden, um die Auswirkungen der Bejagung auf unterschiedliche Populationen besser zu bewerten und zukünftige Managementmaßnahmen populationsübergreifend auszurichten. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen dazu beitragen, die Bejagung von Wildenten künftig noch stärker auf eine wissenschaftlich fundierte Datengrundlage zu stellen. Gleichzeitig sollen sie dazu beitragen, den Schutz gefährdeter Brutbestände mit einer nachhaltigen jagdlichen Nutzung in Einklang zu bringen.
Eurasische Verbreitung der Krickente © Wildforschungsstelle Baden-Württemberg 2026. Basierend auf Daten der IUCN Red List of Threatened Species 2020, Anas crecca
Projektziele
Das Projekt verfolgt folgende Ziele:
- Bestimmung der geografischen Herkunft:
Es soll ermittelt werden, aus welchen Brutgebieten die in Baden-Württemberg erlegten Krick-, Tafel- und Schnatterenten stammen. - Untersuchung zeitlicher Muster:
Soweit die Datenlage dies ermöglicht, soll untersucht werden, ob sich die Herkunft der rastenden Vögel aus verschiedenen Herkunftsgebieten im Jahresverlauf verändert. - Untersuchung des Anteils lokaler Brutvögel:
Es soll geprüft werden, ob und in welchem Umfang in Baden-Württemberg erlegte Krick-, Tafel- und Schnatterenten aus den lokalen oder kontinentalen Brutpopulationen stammen.
Tafelenten im Flug © Shutterstock / Charlathan
VORGEHENSWEISE
Zur Bestimmung der Herkunft der erlegten Wildenten wird die Methode der stabilen Wasserstoff-Isotopenanalyse (δ²H) eingesetzt. Das Verhältnis von Wasserstoff (¹H) zu seinem Isotop Deuterium (²H) unterscheidet sich weltweit in den Niederschlägen und lässt sich somit grobregional bekannten Mustern zuordnen.
Über die Nahrung wird das jeweils in einem Gebiet vorkommenden Verhältnis von Wasserstoff und Deuterium von den Vögeln aufgenommen und beim Aufbau der Federn während der Mauser in diesen eingelagert. Da vor allem bei weiblichen Tieren die Mauser direkt nach der Brut noch am Brutplatz stattfindet, enthalten die Federn von Zugvögeln Informationen über die Region, in der sie gebildet wurden. Durch die Analyse des Isotopenverhältnisses kann daher das wahrscheinliche Herkunfts- bzw. Mausergebiet eines Vogels großräumig eingegrenzt werden.
In den kommenden Jahren sollen Federn erlegter Krick-, Tafel- und Schnatterenten gesammelt und anschließend durch eine stabile Wasserstoff-Isotopenanalyse (δ2H) untersucht werden. Da für eine Vergleichbarkeit bei jedem Tier der gleiche Abschnitt der gleichen Feder untersucht werden muss, werden zunächst ganze Schwingen gesammelt und die Federn anschließend im Labor ausgewählt. Die Flügelschwingen ermöglichen außerdem eine Bestimmung von Geschlecht und Altersklasse. Durch die Untersuchung einer Feder der Armschwinge, die für den Flug notwendig ist, wird sichergestellt, dass die Feder tatsächlich im Brutgebiet und nicht bereits während des Zuges ins Winterquartier gemausert wurde.
Die gewonnenen Isotopenwerte werden anschließend mit bekannten geografischen Mustern der Wasserstoffisotopenverteilung verglichen. Dadurch können wahrscheinliche Herkunftsregionen der untersuchten Vögel bestimmt werden. Die Ergebnisse werden anschließend hinsichtlich Art, Geschlecht, Altersklasse und – soweit die Datenlage dies erlaubt – zeitlichem Auftreten ausgewertet.
Grobe Skizzierung der Zugwege der Krickente in Europa. © Wildforschungsstelle Baden-Württemberg 2026. Basierend auf Daten aus Bowen et al. 2005 & der IUCN Red List of Threatened Species 2020.
UNTERSTÜTZUNG DER JÄGERSCHAFT
Die erfolgreiche Durchführung des Projekts ist auf die Unterstützung der Jägerschaft angewiesen. Nur durch die landesweite Sammlung von Flügelschwingen erlegter Krick-, Tafel- und Schnatterenten in ausreichend große Zahl ist es möglich, eine repräsentative Datengrundlage für die Untersuchung der Herkunft der Vögel zu schaffen und belastbare Aussagen über die Herkunft der Tiere zu treffen.
Jägerinnen und Jäger sind daher herzlich dazu eingeladen, das Projekt zu unterstützen, indem sie bei der Bejagung von Krick-, Tafel- und Schnatterente die entsprechenden Flügelschwingen sammeln und für die wissenschaftliche Untersuchung zur Verfügung stellen. Die Probenahme ist dabei mit geringem Aufwand verbunden und kann in den regulären Ablauf der Wildversorgung integriert werden.
Schwingen-Entnahme der Krickente © KI-erstellt / Wildforschungsstelle Baden-Württemberg
HINWEISE ZU PROBENNAHME UND VERSAND
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Schritt 1: Krickenten Schwingen-Zuschnitt für das Projekt © Wildforschungsstelle Baden-Württemberg
| 2. | Binden Sie beide Schwingen mit einem Draht oder einem Kabelbinder zusammen, damit sie später richtig zugeordnet werden können. |
| 3. | Fügen Sie den Schwingen einen Zettel mit Datum und dem Namen der Gemeinde des Erlegungsortes hinzu. |
Schritt 2 und 3: Schwingen-Beschriftung der Krickente © KI-generiert / Wildforschungsstelle Baden-Württemberg
| 4. | Trocknen Sie die Schwingen gründlich ab und verpacken Sie sie anschließend in einem Plastik- oder Gefrierbeutel. |
Schritt 4: Schwingen-Trocknung und Folienverpackung zum Projekt der Krickente © KI-generiert / Wildforschungsstelle Baden-Württemberg
| 5. | Für den Versand packen Sie den Plastik- oder Gefrierbeutel in einen handelsüblichen Großbrief. |
| 6. | Auf Wunsch senden wir Ihnen für den Versand einen vorfrankierten Großbrief inklusive Gefrierbeutel zu. |
| 7. | Senden Sie die Schwinge bitte an: Wildforschungsstelle Baden-Württemberg Lehmgrubenweg 5 88326 Aulendorf |
| 8. | Alternativ können Sie den Plastik- oder Gefrierbeutel auch bei -20° einfrieren und mehrere Schwingen gesammelt versenden oder abholen lassen. |
| 9. | Für eine Terminabstimmung zur Abholung von Schwingen oder für den Versand vorfrankierter Großbriefe wenden Sie sich bitte an: poststelle-wfs@lazbw.bwl.de |
Schritt 5 bis 9: Versandumschlag, vorfrankierter Großbrief, und Gefrierbeutel an Empfängeradresse © Wildforschungsstelle Baden-Württemberg