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Schwarzwildforschung

Die Wildforschungsstelle des Landes Baden-Württemberg (WFS) beim LAZBW in Aulendorf arbeitet seit 2001 am Thema Schwarzwild. Als Folge des rasanten Anstiegs des Schwarzwildbestands haben landesweit die wirtschaftlichen Schäden in der Landwirtschaft und damit auch die Konflikte zugenommen. Neben der wildbiologischen Forschung wurden daher auch die Wildschadensproblematik und das jagdliche Management thematisiert und faktenbasierte Lösungsansätze für bestehende Konflikte erarbeitet.

Schwarzwildprojekte der WFS

Die WFS hat zum Schwarzwild in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Untersuchungen durchgeführt. So wurden z.B. in einer fünfjährigen Studie Grundlagendaten zur Fruchtbarkeit, Ernährung, Krankheiten und dem jagdlichen Management einer lokalen Schwarzwildpopulation erhoben. Dabei wurden auch der Energiegehalt verschiedener Nahrungsbestandteile und der Energieinput durch Lockfutter aus Jägerhand (Kirrmais) untersucht. Mithilfe landesweiter Jägerbefragungen konnten Aufwand und Ertrag verschiedener Jagdmethoden, der Umfang der vom Schwarzwild verursachten Wildschäden sowie bestehende Konfliktfelder beim jagdlichen Management ermittelt werden. In praktischen Versuchen in einem Schwarzwildgatter wurde die Wirksamkeit  verschiedener Methoden der Wildschadensverhütung getestet und dokumentiert. Dass die Suche des Schwarzwilds nach tierischem Eiweiß – insbesondere nach Regenwürmern – eine wesentliche Ursache für die Wühlschäden im Grünland sind, war das Ergebnis einer weiteren Feldstudie, bei der die Biomasse und Abundanz der Bodenmakrofauna in geschädigten und ungeschädigten Grünlandflächen quantifiziert wurde.  In einer gerade abgeschlossenen, mehrjährigen Telemetriestudie wurden in drei Untersuchungsgebieten das Raum-Zeit-Verhalten und die Aktivität von Wildschweinen in unbejagten Schutzgebieten im Vergleich zu bejagten Gebieten sowie die Entwicklung der Wildschäden untersucht.

>> Weitere Informationen finden sie auf der Internetseite der WFS

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Besenderte Wildscheine liefern wichtige Erkenntnisse, wie sich die Tieren in der Kulturlandschaft verhalten (c) Wildforschungsstelle Baden-Württemberg

Untersuchungen

(c) Wildforschungsstelle Baden-Württemberg

Fortpflanzung

Fortpflanzungstrakt des Wildschweins mit den paarigen Uterushörnern und Ovarien.   Bereits im ersten Lebensjahr und ab einem Körpergewicht von 20kg können sich Frischlingsbachen aktiv an der Fortpflanzung beteiligen und tragen damit maßgeblich zum jährlichen Zuwachs von bis zu 300% bei. 

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(c) Wildforschungsstelle Baden-Württemberg

Ernährung

Wildschweinmagen gefüllt mit Körnermais aus der Lockfütterung („Kirrung“). Bei der Studie der WFS in Böblingen stellte Fütterungsgetreide aus Jägerhand nur in einem von vier Untersuchungsjahren einen bedeutenden Teil an der Winternahrung (28 Vol%). In den anderen Jahren lag der Anteil des Fütterungsgetreides an der Nahrung unter 10%, weil die Wildschweine bevorzugt Buchen- und Eichenmast fraßen. 

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(c) Wildforschungsstelle Baden-Württemberg

Die getrockneten Mageninhalte von Wildschweinen zur Analyse der Rohnährstoffe und der Berechnung der Energiegehalte. Das Wildschwein als Allesfresser hat ein breites Nahrungsspektrum, ernährt sich aber überwiegend vegetarisch.  Als Hauptnahrung im UG Böblingen erwies sich die Mast von Eiche und Buche mit einem Volumenanteil von 32%, während tierische Bestandteile weniger als 1% ausmachten.

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(c) Wildforschungsstelle Baden-Württemberg

Schäden im Grünland

Wildschweine können durch den Umbruch von Grünland erhebliche wirtschaftliche Schäden verursachen. Grünlandschäden gehören nicht nur zu den häufigsten, sondern auch zu den teuersten Wildschäden in der Landwirtschaft. Die gesetzlich zum Wildschadensausgleich verpflichteten Jäger müssen den betroffenen Landwirten nicht nur den Ertragsausfall entschädigen, sondern auch die Arbeits- und Maschinenkosten zur aufwändigen Wiederherstellung der Grasnarbe oder die Neueinsaat bezahlen.

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(c) Wildforschungsstelle Baden-Württemberg

Der Umbruch von Wiesen wird in erster Linie durch die Suche nach tierischem Eiweiß (im Bild Regenwürmer und Tipulidenlarven) ausgelöst. Um seinen Bedarf an essentiellen Aminosäuren zu decken, müssen Wildschweine tierisches Eiweiß aufnehmen. Nach einer Untersuchung in Wiesenflächen mit frischen Wühlschäden am Schreckensee (Kreis Ravensburg) waren Regenwürmer als Nahrungsobjekt ganzjährig verfügbar und dominierten die Makrofauna mit einem Anteil von 93% der tierischen Biomasse.

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(c) Wildforschungsstelle Baden-Württemberg

Raum-Zeit-Verhalten

Adulte Bache beim Wiederfang auf der Schwäbischen Alb. Mithilfe moderner Telemetrietechnik können das Raum-Zeit-Verhalten und die Aktivität der besenderten Wildschweine lückenlos mit hoher Genauigkeit (GPS Ortungen) und ohne Störung durch den Untersucher (Übertragung der Ortungen über das Handynetz) erfasst werden.

Siehe auch Schwarzwildproblematik im Umfeld von Schutzgebieten.

(c) Wildforschungsstelle Baden-Württemberg

Wissenstransfer

Neben der Forschung sind auch der Wissenstransfer und die Vermittlung der Ergebnisse an die jagdliche Praxis wichtig, denn schließlich sollen die Erkenntnisse auch umgesetzt werden. Deshalb veranstaltet  die WFS im zweijährigen Rhythmus eine Schwarzwildtagung, bei der aktuelle Forschungsergebnisse und praxisrelevante Beiträge zum Schwarzwild vorgestellt und diskutiert werden.

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(c) Wildforschungsstelle Baden-Württemberg

Veröffentlichungen

2020

  • Johann, F., Handschuh, M., Linderoth, P., Heurich, M., Dormann, C., Arnold, J. 2020: Variability of daily space use in wild boar Sus scrofa" , Wildlife Biology. 2020 (1). https://doi.org/10.2981/wlb.00609 
  • Johann, F., Handschuh, M., Linderoth, P. , Heurich, M., Dormann, C., Arnold, J., 2020: Adaptation of wild boar (Sus scrofa) activity in a human-dominated landscape. BMC Ecol 20, 4 (2020). https://doi.org/10.1186/s12898-019-0271-7
  • Böhm, C., 2020: Wann und unter welchen Umständen werden Kirrungen vom Schwarzwild genutzt. Masterarbeit an der Fakultät für Umwelt und Natürliche Ressourcen, Abteilung für Biometrie und Umweltsystemanalyse, Albert-Ludwigs-Universität, Freiburg, 56 S.

2016

  • Heumoos, M., 2016: Präsenz wildlebender Tierarten an Kirrungsstandorten im Biosphärengebiet Schwäbische Alb, Bachelorarbeit an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen, Fakultät Landschaftsarchitekten, Umwelt- und Stadtplaner, 109 S.
  • Böhm, C., 2016: Schwarzwildschäden im Grünland. Bachelorarbeit an der Fakultät für Umwelt und natürliche Ressourcen, Professur für Wildtierökologie und Wildtiermanagement, Albert-Ludwigs-Universität, Freiburg, 89S.

2015

  • Miocic, S., 2015: Entwicklung der Telemetrie an Schalenwild mit Schwerpunkt Schwarzwild – eine vergleichende Literaturarbeit. Bachelorarbeit an der Fakultät für Umwelt und natürliche Ressourcen, Professur für Wildtierökologie und Wildtiermanagement, Albert-Ludwigs-Universität, Freiburg, 97 S.
  • Steinmetz, M., 2015: Die Heidelerche Lullula arborea und ihre Bindung an Wühlstellen des Wildschweins Sus scrofa auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Münsingen. Bachelorarbeit an der Fakultät für Umwelt und natürliche Ressourcen, Professur für Wildtierökologie und Wildtiermanagement, Albert-Ludwigs-Universität, Freiburg, 63 S.

2014

  • Thoma, S., 2014: Aktivität des Wildschweins (Sus scrofa L.) – Klassifizierung von Aktivitätsdaten durch Direktbeobachtung besenderter Gehegetiere. Masterarbeit an der Fakultät für Umwelt und natürliche Ressourcen, Professur für Wildtierökologie und Wildtiermanagement, Albert-Ludwigs-Universität, Freiburg, 69 S.
  • Cossutta, J.-M., 2014: Von der Radiotelemetrie zur Satellitentelemetrie: Technischer Fortschritt in der angewandten Wildtierökologie und seine Folgen. Bachelorarbeit an der Fakultät für Umwelt und natürliche Ressourcen, Professur für Wildtierökologie und Wildtiermanagement, Albert-Ludwigs-Universität, Freiburg, 53 S.

2012

  • Treyer, D., P. Linderoth, T. Liebl, M. Pegel, U. Weiler, and R. Claus. 2012. Influence of sex, age and season on body weight, energy intake and endocrine parameter in wild living wild boars in southern Germany. European Journal of Wildlife Research 58:373-378.
  • Linderoth, P., 2012: Tierisches Nahrungsangebot für Schwarzwild im Grünland. Beitr. Z. Jagd- und Wildforsch., Bd. 37: 297-310.

2011

  • Linderoth, P., 2011: Impact of maize baiting on diet composition and energy intake of wild boar (sus scrofa) in South Germany. Poster XXXth. IUGB Congress and Perdix XIII, 5. – 9.9.2011, Barcelona.

2005

  • Linderoth, P. 2005: Wildschwein (Sus scrofa L. 1758) in: Braun & Dieterlen (Hrsg.): Die Säugetiere Baden-Württembergs. Volume 2: 530-546,Ulmer Verlag, Stuttgart.

Downloads

Projektbericht Band 14

  • Linderoth, P., Johann, F., Handschuh, M., Bauch, T., Elliger, A., Dalüge, G., Herbst, C., Pegel, M. & Arnold, J. (2020):
    Schwarzwildproblematik im Umfeld von Schutzgebieten. Raum-Zeit-Verhalten und Aktivität von Wildschweinen (Sus scrofa) in Gebieten mit Jagdruhezonen. Projektbericht, Wildforschungsstelle Baden-Württemberg beim LAZBW, Aulendorf

Schwarzwildtagung Band 13

  • Johann F, Arnold J, Linderoth P., 2019: Raumnutzung von Wildschweinen im Umfeld von Schutzgebieten. Wildforschung in Baden-Württemberg 13:15–22.
  • Linderoth P, Pegel M, Handschuh M, Johann F, Bauch T, Elliger A, Dalüge G, Arnold J., 2019: Ergebnisse des Projekts “Schwarzwildproblematik im Umfeld von Schutzgebieten”. Wildforschung in Baden-Württemberg 13:7–14.
  • Sigmund, J., 2019: Schwarzwildbewirtschaftung im Wandel: Aktuelle Befragungsergebnisse aus Baden-Württemberg. Wildforschung in Baden-Württemberg 13: 39-44.

Schwarzwildtagung Band 12

  • Linderoth, P., 2017: Meiden oder bleiben? Reaktion von Schwarzwild nach Abschüssen bei der Einzeljagd. Wildforschung in Baden-Württemberg 12: 23-28.
  • Elliger, A., 2017: Schwarzwildaktivität und Mondlicht. Auswertung von Telemetriedaten aus dem Schwarzwildprojekt der WFS. Wildforschung in Baden-Württemberg 12: 39-48.
  • Bauch, T., 2017: Unterschiedliche Drückjagdansätze im Umfeld von Schutzgebieten (Kernzone Föhrenberg). Wildforschung in Baden-Württemberg 12: 29-38.
  • Heumoos, M., 2017: Was tut sich an der Kirrung. Ergebnisse eines Fotofallenmonitorings. Wildforschung in Baden-Württemberg 12: 9-16.

Schwarzwildtagung Band 11

  • Linderoth, P., 2015: Schwarzwildproblematik im Umfeld von Schutzgebieten. Wildforschung in Baden-Württemberg 11: 9-16
  • Hahn, N., 2015: „Human Dimensions“ im Schutzgebiets- und Schwarzwildmanagement. Wildforschung in Baden-Württemberg 11: 25-34.
  • Handschuh, M., 2015: Räumliche Verteilung von Tageseinständen und deren Nutzung im Jahresverlauf. Wildforschung in Baden-Württemberg 11: 10-17.
  • Bauch, T., 2015: Bewegungsmuster und Verhaltensweisen bei Drückjagden und ähnlichen Störungen. Wildforschung in Baden-Württemberg 11: 41-52.
  • Thoma, S., 2015: Klassifizierung von Aktivitätsdaten durch Beobachtung besenderter Gehegetiere. Wildforschung in Baden-Württemberg 11: 35-40.
  • Dalüge, G., 2015: Wirksamkeit von Elektrozäunen zur Wildschadensabwehr. Wildforschung in Baden-Württemberg 11: 53-58.

Schwarzwildtagung Band 10

  • Dalüge, G., 2013: Habitatnutzung in der Vegetationsperiode. Wildforschung in Baden-Württemberg 10: 47-52.
  • Elliger, A., 2013: Laufwege und Ortswechselverhalten satellitentelemetrierter Sauen in Oberschwaben. Wildforschung in Baden-Württemberg 10: 53-67.
  • Linderoth, P., 2013: Schwarzwildschäden im Grünland. Was sucht das Wildschwein? Wildforschung in Baden-Württemberg 10: 33-38.
  • Unterseher, B., 2013: Grünlandschäden im Naturschutzgebiet Wurzacher Ried. Wildforschung in Baden-Württemberg 10: 39-46.

Schwarzwildtagung Band 09

  • Linderoth, P., 2011: Energieversorgung und Reproduktion einer Schwarzwildpopulation. Wildforschung in Baden-Württemberg 9: 6-12.
  • Pegel. M., 2011: Modellhafte Schwarzwildbewirtschaftung im Projekt Böblingen. Wildforschung in Baden-Württemberg 9: 59-65.

Schwarzwildtagung Band 08

  • Linderoth, P., M. Pegel, A. Elliger, T. Liebl & S. Seitler, 2010: Schwarzwildprojekt Böblingen - Studie zum Reproduktionsstatus, zur Ernährung und zum jagdlichen Management einer Schwarzwildpopulation. Wildforschung in Baden-Württemberg (8): 160 S. LAZBW - Wildforschungsstelle Aulendorf.

Schwarzwildtagung Band 07

  • Linderoth, P., 2008: Aufwand und Ertrag der Schwarzwildjagd. Wildforschung in Baden-Württemberg 7: 43-47.
     

Weitere Schwarzwildtagungsbände können auf den Seiten der Wildforschungsstelle Baden-Württemberg heruntergeladen werden

 

 

Mitteilungen der Wildforschungsstelle Baden-Württemberg

  • Linderoth, P., Bauch, T., Elliger, A,, Dalüge, G., Handschuh, M. & M. Pegel, 2013: Schwarzwildproblematik im Umfeld von Schutzgebieten. WFS- Mitteilungen 2013/1.

  • Linderoth, P., Pegel, M., Elliger, A., Liebl, T. & S. Seitler, 2011: Schwarzwildprojekt Böblingen – die wichtigsten Ergebnisse. WFS-Mitteilungen 2011/1.

  • Liebl, T., A. Elliger & P. Linderoth, 2005: Aufwand und Erfolg der Schwarzwildjagd in einem stadtnahen Gebiet. WFS-Mitteilungen 2005/2.

  • Liebl, T., 2004: Mit Kalk gegenSchwarzwildschäden? Ergebnisse eines Versuchs zur Schadensminimierung durch Grünlandkalkung. WFS-Mitteilungen 2004/6.

  • Liebl, T., 2003: Ergebnisse einer landesweiten Befragung der Wildschadensschätzer. WFS-Mitteilungen 2003/3.

  • Linderoth, P. & Elliger, A., 2002: Schwarzwildschäden an landwirtsachaftlichen Kulturen in Baden-Württemberg im Jagdjahr 2000/2001. WFS-Mitteilungen 2002/1.

  • Elliger, A., Linderoth, P., Pegel, M. & S. Seitler, 2001: Ergebnisse einer landesweiten Befragung zur Schwarzwildbewirtschaftung. WFS-Mitteilungen 2001/4.

Ansprechperson

Peter Linderoth

Wildforschungsstelle des Landes Baden-Württemberg (WFS)

Atzenberger Weg 99

88326 Aulendorf | Landwirtschaftliches Zentrum für Rinderhaltung, Grünlandwirtschaft, Milchwirtschaft, Wild und Fischerei Baden-Württemberg (LAZBW)

Peter.Linderoth@lazbw.bwl.de