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Graugans Anser anser

Graugans
Graugans Graugans

Produktoptionen

günstig
Graugans
Entwicklungsmanagement
Feld
Wasser
Pflanzenfresser

Steckbrief

Bestandssituationgünstig
KörperlängeØ 85 cm
Gewicht2.500 g - 4.000 g
ReproduktionszeitMärz - Juli
Gelegegröße4 - 9 Eier
Brutdauer27 - 29 Tage
JungenaufzuchtBodenbrüter; Einzel- und Koloniebrüter, oft lebenslange Paarbindung; Junge flügge mit 45 - 60 Tagen, bleiben bis zum kommenden Frühjahr bei den Elterntieren.
LebensweiseTagaktiv; Nachtruhe auf dem Wasser, außerhalb der Brutzeit sehr gesellig und in großen Gruppen vorkommend.
NahrungVegetarisch, Gräser, Samen, Wurzeln und Rhizome, auch landwirtschaftliche Produkte.
ManagementstufeEntwicklungsmanagement
Jagdzeit1. August bis 31. Januar, Jungtiere 15. April bis 15. Februar, gemäß § 10 Absatz 3 DVO JWMG darf die Jagd auf Jungtiere der Graugans ganzjährig ausgeübt werden, wenn eine entsprechende genehmigte Managementkonzeption vorliegt.

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Tierstimme Icon,Tierstimme,Graugans

Tierstimme Graugans © Tierstimmenarchiv.de / Frommolt, Karl-Heinz / CC BY-SA
Graugans Flugrufe © Quelle Tierstimmenarchiv.de / Wallschläger, Dieter / CC BY-NC-SA

Verbreitung in Baden-Württemberg

Die große Mehrzahl der in Baden-Württemberg brütenden Graugänse geht auf Gefangenschaftsflüchtlinge oder Aussetzungen zurück. Die erste Freilandbrut der Graugans im Land wurde 1970 bei Titisee-Neustadt festgestellt. Regelmäßige Bruten treten erst seit Anfang der 1990er Jahre auf. Ab der Jahrtausendwende stiegen die Zahlen stark an. Seither breitet sich die Art kontinuierlich aus. Von 2009 bis 2019 hat sich die Vorkommensfläche annähernd verdoppelt. Die 2006 noch lückig besiedelte Rheinschiene ist heute von Lahr bis Mannheim geschlossen belegt. Nördlich des Bodensees hat sich das Vorkommen bis nach Oberschwaben ausgedehnt. Neue Vorkommen haben sich entlang des Neckars und der Donau und im Nordosten des Landes an Kocher, Jagst und Tauber gebildet. Auch bundesweit wachsen die Bestände.

In den letzten Jahrzehnten war eine Zunahme des Bestandes in Baden- Württemberg zu beobachten. Bei einer landesweiten Zählung im Januar 2011 machten Graugänse mit ca. 9000 gezählten Tieren 80 % aller gezählten Gänse aus. Als wichtige Gewässersysteme werden die östliche Donau, der nördliche und südliche Oberrhein sowie der Bodensee angesehen. Waren zuvor nur in begründeten Einzelfällen (z.B. Fraßschäden) Abschüsse erlaubt, dürfen Graugänse seit April 2015 in Baden-Württemberg in der Zeit vom 1. August bis zum 31. Januar bejagt werden.

Wildtierbericht,2021, Vorkommen der Graugans in Baden-Württemberg

Vorkommen der Graugans in Gemeinden im Jagdjahr 2018/19 (Wildtierbericht 2021)

© PantherMedia / Dieter Möbus

Lebensraum

Die Graugans lebt an Binnengewässern aller Art und besiedelt gerne auch die Grünanlagen und Parks im urbanen Bereich. Sie meidet schnell fließende Bereiche und braucht während der 3 - 4 wöchigen Phase der Flugunfähigkeit (Mauser) deckungsreiche Strukturen in Gewässernähe. Wie andere Gänsearten profitiert die Graugans von der Intensivierung der Landwirtschaft und dem breiten Nahrungsangebot an Wintersaaten und Grünland. Gleichzeitig entstehen hierdurch immer wieder Konflikte, weil mit steigenden Bestandszahlen auch die durch Gänse in der Landwirtschaft verursachten Wildschäden deutlich zunehmen. Probleme gibt es auch mit futterzahmen Graugänsen im städtischen Bereich, wo die Tiere Badegewässer und Liegewiesen verkoten.
So findet man sie auf Seen, Rieselfeldern, Klärteichen, Kolken sowie auf Fließgewässern und Gräben. Teilweise nutzen sie auch kleine Waldweiher in Bruchwäldern und Mooren als Brutstätte. Zum Äsen fliegen sie auf auch weiter vom Gewässer entfernte Flächen.
In Städten bieten ihnen die weitläufigen, mehrmals im Jahr gemähten Parkwiesen optimale Äsungsmöglichkeiten und die künstlich angelegten Gewässer eine Rückzugsmöglichkeit bei Gefahr.

Gefährdung

Die Graugans ist aktuell nicht bedroht. Der Graugansbestand hat zugenommen und die Art ist nach der Roten Liste Baden-Württemberg nicht gefährdet.

Im Wildtierbericht des Landes wird die Bestandssituation als „günstig“ eingestuft.

Für eine gute Nachbarschaft

Der Verhaltensforscher Konrad Lorenz machte die Graugans einst zum Gegenstand seiner Forschung und hat damit das Bild der intelligenten Graugans fest in den Köpfen der Menschen verankert.

Im Stadtraum leben Gänse und Menschen eng beieinander. Neben der Faszination, mit welcher Menschen Graugänse bestaunen und beobachten, treten aber auch Konflikte auf. Im Zusammenleben im Siedlungsraum spielen vor allen die Verkotung von Badestränden und öffentlichen Anlagen sowie bedingt die Übertragung von Krankheiten auf den Menschen eine Rolle. Der Ekel der Menschen vor Gänsekot und die Beeinträchtigungen an Badestränden oder in Stadtparks sind oft genannte Konflikte im Zusammenleben. Im Management von Gänsen stehen daher verschiedene Maßnahmen wie Umzäunungen oder Schwimmbarrieren in Erholungsgebieten bereit, um das Nebeneinander von Mensch und Tier angenehm zu gestalten.

Immer wieder wird auch von durch Graugänse verursachte Fraßschäden in der Landwirtschaft berichtet, vor allem an Saaten, Kulturen und im Grünland. Daher stehen im Gänsemanagement unterschiedliche Maßnahmen bereit, um Schäden möglichst gering zu halten. So können Gänse durch die Jagd von Flächen vergrämt werden oder durch Überspannungen oder Umzäunungen daran gehindert werden in landwirtschaftlich genutzten Flächen Schäden anzurichten.

Foto Graugans Trupp, Quelle Marco Barnebeck

Ein Trupp Graugänse in der Stadt © Marco Barnebeck

Links & Quellen

Links

Quellen

Arnold, J.M.; Greiser, G.; Kampmann, S.; Martin, I. (2013): Status und Entwicklung ausgewählter Wildtierarten in Deutschland- Jahresbericht 2013. Wildtier- Informationssystem der Länder Deutschlands (WILD), Deutscher Jagdverband (Hrsg.), Berlin

Bauer, H.G.; Bezzel, E.; Fiedler, W. (2005): Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas. Nonpasseriformes- Nichtsperlingsvögel. Aula- Verlag, Wiebelsheim

Friedrichs, T. (2011): Die Graugans Anser anser als regelmäßiger Baumbrüter. Apus 16: 29 - 40

Frigerio, D.; Loth, A.; Hemetsberger, J.; Wascher, C.; Kotrschal, K. (2014): Pair-partners´ parental behaviour and goslings’ survival in Greylag geese (Anser anser). unpublished

Käßmann, S.; Woog, F. (2008): Winterliche Verbreitungsmuster und Habitatnutzung von Graugänsen Anser anser in einer süddeutschen Großstadt. Vogelwarte 46: 131 - 138

Kolbe, H. (1999): Die Entenvögel der Welt. 5., überarbeitete Aufl., Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart

König, A.; Kleinhenz, A.; Hof, C.; Carstensen, N. (2013): Ökologie und Management von Wildgänsen in Bayern. Abschlussbericht TU München, München

Lorenz, K. (1979): Das Jahr der Graugans. Piper Verlag GmbH, 2. Auflage 2003, München

Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden- Württemberg (2015): Die Gänsepopulation am unteren Neckar und ihre Auswirkungen. Drucksache 15/6789

Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie (LfUG) (2008): Naturschutz und Landschaftspflege. Wildlebende Gänse und Schwäne in Sachsen - Vorkommen, Verhalten und Management, Dresden

Woog, F.; Bauer, H.G.; Heine, G. (2014): Ergebnisse der Gänsezählung in Baden- Württemberg Mitte Januar 2011. Ornithol. Jh. Bad.-Württ. 30: 41 - 66

Woog, F.; Schmolz, M.; Lachenmaier, K. (2008): Die Bestandsentwicklung der Graugans (Anser anser) im Stadtkreis Stuttgart. Ornithol. Jh. Bad.-Württ. 24: 141 - 146