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Steinmarder Martes foina

Steinmarder
Steinmarder Steinmarder

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günstig
Steinmarder
Nutzungsmanagement
Wald
Feld
Fleischfresser
Siedlung
Allesfresser

Steckbrief

Bestandssituationgünstig
Kopf-Rumpf-Länge♂: Ø 46 cm, ♀: Ø 43 cm
Körpergewicht♂: Ø 1.670 g, ♀ Ø: 1.320 g
PaarungszeitJuni - August
FortpflanzungGeräuschvolles Liebesspiel mit wilden Verfolgungsjagden; Junge werden 5 Wochen ausschließlich gesäugt; Männchen beteiligt sich nicht an der Jungenaufzucht; ab 10. Woche ausschließlich feste Nahrung; ab 12. Woche nimmt Fähe Junge mit auf Streifzüge; Auflösung des Familienverbands und Abwanderung ab Spätsommer.
SetzzeitMärz - April
Anzahl Junge1 - 5, im Mittel 3
JungtieraufzuchtMärz - September
LebensweiseSteinmarder leben als Einzelgänger, beide Geschlechter grenzen Revier mit Duftmarken ab; dämmerungs- und nachtaktiv; leben häufig in Menschennähe; Streifgebiete von Steinmardern in Wald- und Feldgebieten sind größer als von Mardern im Dorf.
NahrungAllesfresser, im Sommer und Herbst überwiegend pflanzliche Kost (Garten- und Wildfrüchte, Beeren); im Winter häufig Fallwild und Aas; ganzjährig Mäuse und Ratten, Regenwürmer und Vögel; in der Stadt häufig Haustauben und deren Eier.
ManagementstufeNutzungsmanagement
Jagdzeit01. Oktober bis 15. Februar

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Tierstimme Icon,Tierstimme,Jungtiere Steinmarder

Steinmarder: Jungtiere © Tierstimmenarchiv.de / Meyer, Hugo / CC BY

VERBREITUNG IN BADEN-WÜRTTEMBERG

Wie der Name schon sagt ist der Steinmarder ursprünglich ein Felsenbewohner der Mittelgebirge und des Flachlands, wo er vielfältige Habitate bewohnt. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich von der Mongolei bis nach Südwesteuropa - in Großbritannien, Island und auf den meisten Mittelmeerinseln kommt er jedoch nicht vor. Nach einer starken Bejagung in den 30er Jahren erholten sich die meisten Steinmarder-Populationen in Europa auf Grund von Jagdeinschränkungen wieder und konnten sich daher seit den 70er Jahren auch auf städtische Lebensräume ausweiten. In Deutschland ist die Art überall verbreitet, in Baden-Württemberg findet sie sich ebenfalls in allen Höhenlagen von der Rheinebene bis in die Mittelgebirge. In den Ortschaften Baden-Württembergs hat sich der Steinmarder sehr gut etablieren können und ist fast überall anzutreffen.

Deutschlandweit ist der Steinmarder in mindestens 75 % der Jagdreviere präsent. Er ist flächendeckend in Baden-Württemberg verbreitet, ein Vorkommen des Steinmarders wurde aus nahezu allen Gemeinden gemeldet.

Vorkommen des Steinmarders in den Gemeinden zwischen dem Frühjahr 2006 und dem Jagdjahr 2018/19 © Wildtierbericht 2021

© PantherMedia / riverriver

Lebensraum

Im Unterschied zum Baummarder, der überwiegend an den Lebensraum Wald gebunden ist, ist der Steinmarder schon seit altersher ein Kulturfolger des Menschen und wird bereits in  Lehrbüchern aus dem 17. Jahrhundert als Haus- oder Dachmarder beschrieben: „Der Marder werden zweyerlei bey uns gefangen: der erste wird genannt Tachmarder, Hausmarder, Steinmarder, Buchmarder: aus der Ursach dieweil er umb die Häuser, grossen Gebäuden, in Mauern, Türmen, Steinen und Buchen wohnt“ (Gessner 1669).

Der Steinmarder kommt aber nicht nur im menschlichen Siedlungsbereich vor, sondern er ist auch in der Feldflur und im Wald verbreitet, solange er ausreichend Nahrung und Deckung findet. Steinmarder bauen ihre Unterschlüpfe und Tageseinstände niemals selbst, sondern sie nutzen vorhandene Quartiere, z.B. Heu- und Dachböden, Garagen, Durchlässe oder Zwischenböden und im Außenbereich Reisighaufen, Wurzelteller, Baumhöhlen oder die Erdbaue von Füchsen und Kaninchen.

Lebensraum Stadt

Den Tag über verbringt der Steinmarder in einem Versteck, das er regelmäßig wechselt. Da Marder sich kein Versteck selbst bauen, nutzen sie beispielsweise unbewohnte Gebäude wie Scheunen oder Gartenhäuschen, Dachböden, Holzstapel, Steinbrüche, Baumhöhlen, Gebüsche oder Bahntrassen als Unterschlupf. Marder meiden freies Gelände und sind daher vor allem auf das Vorhandensein von kleinräumigen Strukturen, wie beispielsweise Hecken, Steinwällen, Mauern, Kanälen oder Bächen angewiesen, die ihnen Deckung geben. Der städtische Lebensraum bietet also gute Bedingungen für das Vorkommen von Steinmardern.

Nach Sonnenuntergang verlässt der Steinmarder sein Tagesversteck, um auf Nahrungssuche zu gehen und das Revier abzugrenzen. Es wurde allerdings beobachtet, dass Marder in Städten ihren Tagesablauf an den Rhythmus der Menschen angepasst haben, um diesen möglichst aus dem Weg zu gehen. Daher bleiben sie im Winter auch nach Einbruch der Dunkelheit noch mehrere Stunden in ihrem Versteck und verlassen dies erst, wenn sich die menschliche Aktivität auf den Straßen, in Parks und Wohngebieten gelegt hat.

Für eine gute Nachbarschaft

Steinmarder im Siedlungsraum

Das Bild des Menschen vom Marder ist stark durch Negativschlagzeilen geprägt. Jedoch verläuft in den meisten Fällen das Zusammenleben von Mardern und Menschen reibungslos, denn viele Menschen sind sich gar nicht bewusst darüber, dass Marder in ihrem unmittelbaren Umfeld leben. 

Das Phänomen des „Automarders“ wurde 1978 zum ersten Mal in Winterthur in der Schweiz nachgewiesen, von wo aus es sich schnell über ganz Österreich, die Schweiz und Deutschland ausbreitete und 1995 sogar in Kiel entdeckt wurde. Marder, die in die Motorhaube der Autos klettern können, zerbeißen hierbei Kühlwasserschläuche und Zündkabel, je nachdem welche Teile erreichbar sind. Als Ursache für dieses Verhalten werden seitdem mehrere Möglichkeiten diskutiert:

  • Den Mardern, die während ihrer Streifzüge freies Gelände meiden, dient die Motorhaube als Unterschlupf. Hier erforschen sie die Gegenstände durch Riechen und Beißen. Die Zerstörungen an Kabeln und Schläuchen sind also Ergebnis eines „artspezifischen Erkundungsverhaltens“
  • Es handelt sich hierbei um einen Spieltrieb, der besonders bei Jungtieren noch ausgeprägt ist
  • Autos, die häufig in unterschiedlichen Gebieten parken, enthalten Duftmarken von revierfremden Mardern

 

Steinmarder unter Gartenstuhl © PantherMedia / were-photography

Steinmarder im Garten © PantherMedia / were-photography

Punkt 3 ist wahrscheinlich der Hauptgrund, weshalb die Marder aggressiv werden und als Folge dessen die markierten Autoteile zerbeißen. Es handelt sich dabei also um ein Verhalten von Revierverteidigung. Dies würde auch erklären, warum es vermehrt in der Ranz zu Marderschäden an Autos kommt und warum häufig dieselben Autos mehrfach betroffen sind. Hat man eine Teilkasko- Versicherung abgeschlossen, kommt diese in der Regel für die Primärschäden durch Marder auf. Dazu zählen beispielsweise zerbissene Schläuche. Dies gilt aber nicht für Sekundärschäden, die daraus resultieren, wie zum Beispiel das Überhitzen des Motors.

Da Marder gut klettern, schwimmen, springen und sich durch Ritzen zwängen können, haben sie häufig auch Zugänge zu Dachböden. Diese nutzen sie als Tagesversteck oder Aufzuchtsort für Jungtiere. Nutzt ein Marder regelmäßig einen Dachboden als Tagesversteck, findet man dort Kot und Harn des Marders. Hier kann es laut werden, wenn der Marder in den Abendstunden aktiv wird oder sogar über einen längeren Zeitraum Junge dort aufzieht. Besonders problematisch ist hierbei, wenn es zur Beschädigung des Isoliermaterials kommt und so das Dach seine Isolierwirkung verliert oder sogar nicht mehr regendicht ist. In diesen Fällen ist eine Sanierung des Dachstuhls von Nöten, was hohe Kosten für die Hausbesitzer bedeutet, denn eine Versicherung kommt derzeit nicht für Marderschäden am Dach auf.

 

Tipps zur Konfliktvermeidung

Durch das Zusammenleben von Menschen und Mardern in Siedlungsgebieten kommt es an einigen Stellen zu Konflikten, die jedoch durch gewisse Maßnahmen vermeidbar bzw. vorbeugbar sind.

In Ratgebern zum Umgang mit Steinmardern auf Dachböden werden verschiedene Vergrämungsmaßnahmen diskutiert. Ein Ziel dabei ist es, dem Marder den Aufenthalt in seinem Tagesversteck so unangenehm wie möglich zu gestalten, ihn also aktiv zu stören (z.B. Dachboden aufsuchen, Geräusche verursachen). Diese Maßnahmen sind jedoch nicht dauerhaft wirkungsvoll, da Marder sehr lernfähig sind. Langfristig sollte also insgesamt dafür gesorgt werden, dass alle Zugänge zum Dachboden gut verschlossen werden – natürlich zu einem Zeitpunkt wenn der Marder sich nicht darin aufhält und vor allen Dingen nicht während der Jungenaufzucht zwischen März und Juni. Dies kann sehr aufwendig sein, ist jedoch unerlässlich, wenn man Schäden vermeiden möchte. 

Dies gilt auch für den Umgang mit „Automardern“. Vergrämungsmaßnahmen wie Geruchsprays oder Ultraschallgeräte in Autos werden auf Dauer von den Mardern als ungefährlich angesehen und ignoriert. Dauerhaft wirken nur direkte Maßnahmen wie die Ummantelung von Kabeln und Schläuchen oder Sicherungssysteme, die den Tieren beim Einstieg in das Auto einen leichten Stromschlag versetzen. 

 

Ansprechpartner

Bei Fragen zu Wildtieren im Siedlungsraum können Sie sich an die jeweiligen Wildtierbeauftragten in ihrem Landkreis wenden.

Links & Quellen

Links

Quellen

ADAC 2008. Tipps gegen Marder. Was zahlt die Auto-Versicherung? Abgerufen über  http://www.adac.de/infotestrat/unfall-schaeden-und-panne/schaeden-durch-tiere/default.aspx am 22.10.2020; letzte Aktualisierung: 08.04.2019

Elliger, A.; Arnold, J.; Linderoth, P. (2017): Jagdbericht Baden-Württemberg 2016/2017. Berichte der Wildforschungsstelle Nr. 23, LAZBW, Aulendorf (Hrsg.)

Gessner, C. (1669): Thierbuch, Zürich

Greiser, G.; Krüger, S.; Martin, I.; Neumann, M. (2018): Status und Entwicklung ausgewählter Wildtierarten in Deutschland. Jahresbericht 2016, Wildtier-Informationssystem der Länder Deutschlands (WILD), Deutscher Jagdverband, Berlin (Hrsg.)

Herr, J.; Schley, L. (2008) Steinmarder in Luxemburg. Broschüre, 1. Auflage, Forstverwaltung Luxemburg, Nationales Naturhistorisches Museum Luxemburg (Hrsg.), S. 44, Luxemburg

Kugelschafter, K.; Deeg, S.; Kümmerle, W.; Rehm, H. (1985): Steinmarderschäden (Martes foina Erxleben, 1777) an Kraftfahrzeugen: Schadensanalyse und verhaltensbiologische Untersuchungsmethodik. Säugetierkundliche Mitteilungen, 32: 35 – 48

Linderoth, P. (2005): Steinmarder. Martes foina. – In: Die Säugetiere Baden-Württembergs. Band 2. - Hrsg. Braun, M.; Dieterlen, F.; Stuttgart: Ulmer Verlag: 437-450

Ludwig, B.: Marder Info. Abgerufen über http://marder-info.eu/probleme/automarder/abwehr/ am 04.12.2015

Mermod, C. (1995) Martes foina. In: Säugetiere der Schweiz. Verbreitung, Biologie, Ökologie. - unter der Leitung von Hausser J., i.A. der Schweizerischen Gesellschaft für Wildtierbiologie, Denkschriftenkomission der Schweizerischen Akademie der Naturwissenschaften (Hrsg.), Basel, Boston, Berlin, Birkhäuser Verlag: 372-377

Schmidt, M.; Landau- Lüscher, I.; Müller, G. Der Steinmarder. Umwelt- und Gesundheitsschutz Zürich. Gesundheits- und Umwelttechnik 4/04

Stubbe, M. (1993) Martes foina. Haus-, Steinmarder.  In: Handbuch der Säugetiere Europas. Niethammer J, Krapp F (Hrsg.), Band 5, Teil 1, Wiesbaden, AULA-Verlag: S. 427-479

Tschudin, M. (2001) Auto- und Hausmarder. Informationen und Abwehrmaßnahmen. In: Merkblätter Wildbiologie (13/5), Infodienst Wildbiologie und Ökologie (Hrsg.), S. 12, Zürich