- Nähere Informationen zur Wildtierart und zum Monitoring auf der Interseite der Forstlichen Versuchs und Forschungsanstalt
- Auerhuhn-Meldetool beim Waldnaturschutz-Informationssystem (WNS-info)
- Forschungsprojekt Auerhuhn und Windenergie
- Aktionsplan Auerhuhn beim Wildtierportal
- Das Auerhuhn - Auszug aus dem Wildtierbericht 2024
-
Koordinierungsstelle und zentrale Beratungsstelle rund um das Auerhuhn: Auerhuhn im Schwarzwald e.V.
Auerhuhn Tetrao urogallus
Produktoptionen
| Auerhuhn |
| Schutzmanagement |
| Wald |
| ungünstig |
| Pflanzenfresser |
Steckbrief
| Bestandssituation | ungünstig |
| Körperlänge | ♂: 100 cm |
| Körpergewicht | ♂: 3 kg - 5 kg, ♀: 1,5 kg - 2 kg |
| Reproduktionszeit | Mitte - Ende April |
| Balz | Arenabalz, an einem guten Balzplatz bis zu 10 - 20 erwachsene Auerhühner |
| Gelegegröße | 1 pro Jahr mit 7 - 11 Eier; bei frühem Verlust des Geleges sind Nachbruten mit geringerer Eizahl häufig. |
| Brutdauer | 24 - 26 Tage |
| Jungenaufzucht | Bodenbrüter; Nestflüchter; Henne brütet und führt die Jungen; nach ca. 3 Monaten selbstständig. |
| Lebensweise | Tagaktiv, Einzelgänger, manchmal Hennen- oder Hahngruppen, Hähne stark territorial während der Balz, Schlafplatz auf Bäumen, wichtig ist ein häufiger Wechsel von dichten und lichten Waldbeständen, Nahrungserwerb im Winter auf Bäumen, im Sommer meist am Boden. |
| Nahrung | Pflanzenfresser, Insektenfresser in der Jugendphase. |
| Managementstufe | Schutzmanagement |
| Jagdzeit | keine |
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Tierstimme
Verbreitung in Baden-Württemberg
Das Hauptverbreitungsgebiet des Auerhuhns erstreckt sich von Skandinavien bis zum Baikalsee in Sibirien. In Europa gibt es noch ca. 760.000 bis 1.000.000 Brutpaare, wobei viele Bestände rückläufig sind. In vielen europäischen Mittelgebirgen ist das Auerhuhn ausgestorben oder vom Aussterben bedroht. In Deutschland kommt es noch mit Populationen im Fichtelgebirge, Thüringer Wald, im Bayerischen Wald und im Alpenraum vor. Derzeit wird in der Niederlausitz (Brandenburg) ein Wiederansiedlungsprojekt mit Wildfängen aus Schweden durchgeführt. In Baden-Württemberg kommen Auerhühner aktuell vor allem im Schwarzwald vor. Einzelvorkommen im Allgäu/Adelegg hängen vermutlich mit den Verbreitungsgebieten in Bayern zusammen.
Die Schwarzwald-Population wird in vier Teilgebiete eingeteilt: Nord, Mitte, Süd und Baar. Die Teilgebiete sind durch Verbundkorridore miteinander vernetzt. Aktuelle genetische Untersuchungen haben gezeigt, dass es für Auerhühner möglich ist, zwischen den Teilgebieten hin und her zu wandern. Allerdings hat die genetische Differenzierung zwischen den Individuengruppen der Teilgebiete über den zehnjährigen Untersuchungszeitraum hinweg zugenommen.
Das Auerhuhn hat einen sehr großen Raumanspruch: Für eine langfristig überlebensfähige Mindestpopulation von 500 Tieren wird für den Schwarzwald eine Lebensraumfläche von 50.000 ha angenommen. Diese Minimumfläche ist im Aktionsplan Auerhuhn (APA) in solche Waldbereiche gelegt worden, welche für eine langfristige Besiedlung am besten geeignet sind.
Historische Quellen belegen, dass das Auerhuhn bereits um das Jahr 1500 im Schwarzwald vorkam. Die über die Jahrhunderte traditionell durchgeführte Auerwildjagd wurde wegen der abnehmenden Populationsgröße ab dem Jahr 1971 ausgesetzt [4]. Das heutige Auerhuhnmonitoring wird von den Revierinhaberinnen und -inhabern, der Jägerschaft, dem Nationalpark Schwarzwald und der FVA durchgeführt. Die schwarzwaldweiten Balzplatzzählungen zeigen, dass die Populationszahlen des Auerhuhns stark rückläufig sind. Während Mitte der 1990er-Jahre noch mehr als 450 Auerhähne gezählt wurden, konnten im Jahr 2012 noch 315 Auerhähne bei der Balz beobachtet werden. Die Balzplatzzählungen aus dem Jahr 2022 ergaben nur noch 97 balzende Hähne, 2023 wurden 106 balzende Hähne im gesamten Schwarzwald gezählt und 2024 stieg die Zahl wieder leicht auf 111 Hähne an.
Zeitgleich verweist die Verbreitungsgebietsabgrenzung, die in einem Turnus von fünf Jahren neu erstellt wird, dass die kartierte Fläche mit Auerhuhnvorkommen im Schwarzwald stark abgenommen hat. Bei der ersten auf Grundlage von statistischen Methoden erstellten kartierten Auerhuhnverbreitung, die die Daten aus den Jahren 1989 bis 1993 abbildet, konnte das Auerhuhn noch auf einer Fläche von ca. 60.660 ha nachgewiesen werden. Die zuletzt durchgeführte Abgrenzung, die die Präsenz von Auerhühnern in den Jahren 2019 bis 2023 erfasst, dokumentiert, wie bereits in den Jahren zuvor, einen Rückgang der von Auerhühnern besiedelten Fläche. Mit nur noch ca. 27.000 ha liegt sie deutlich unter den Zielwerten des Aktionsplans Auerhuhn von 50.000 ha.
Als Ursachen für den negativen Bestandstrend wird ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren diskutiert: Als Hauptrückgangsursache wurden der Verlust und die Verschlechterung des Lebensraums identifiziert. So führten die Aufforstungen sowie die Waldbewirtschaftung mit hohen Naturverjüngungsanteilen zu zunehmend dichteren, wenig lichten und somit für das Auerhuhn ungeeigneten Waldbeständen. Weiter beeinflussen auch eine wachsende touristische Nutzung des Waldes durch Freizeitaktivitäten, wie unter anderem Geocaching, Langlauf- oder Tourenski, Schneeschuhwandern, Mountainbiking, der Prädationsdruck durch verschiedene Beutegreifer (etwa Fuchs, Marder oder Habicht) sowie durch den Klimawandel bedingte
Umweltveränderungen den Rückgang der Auerhuhnpopulation.
© Wildtierbericht 2024
Lebensraum
Das Auerhuhn besiedelt große, zusammenhängende boreale und montane Wälder. Diese Wälder sollten nicht nur eine reiche Bodenvegetation und nährstoffarme Bedingungen aufweisen, sondern auch licht- und strukturreich sein. Das Auerhuhn bevorzugt Nadelmischwälder, die ausreichend strukturiert sind und ausreichend Nahrung, Deckung und Licht (Wärme) bieten. In den Wintermonaten ernähren sich Auerhühner hauptsächlich von Koniferennadeln, die im lichten Nadelmischwald reichlich vorhanden sind, aber wenig Energie liefern. Im Frühjahr sind es besonders die jungen Knospen der Laubbäume, die dem Auerhuhn nach einem harten Winter wieder Energie für die Fortpflanzung liefern. Die jungen Küken ernähren sich in den ersten Wochen hauptsächlich von Insekten. Wichtige Lebensraumelemente während der Kükenaufzucht sind daher vor allem viele Freiflächen und lichte Waldstrukturen, in denen das Sonnenlicht bis auf den Waldboden vordringt und somit die Insektenfauna fördert.
In den Sommermonaten ernähren sich die adulten sowie die juvenilen Auerhühner von einer Vielzahl verschiedener Kräuter und Sträucher, von Blättern, Knospen, Blüten und Früchten, vorzugsweise von Beerensträuchern wie der Heidelbeere oder der Preiselbeere. Große, tief beastete Bäume bieten den Vögeln Schutz vor der Witterung und vor Prädatoren. Solche Bäume sind neben einem lockeren Netz aus Freiflächen ein zentrales Lebensraumelement in einem lichten, strukturreichen Auerhuhnwald. Durch seine spezifischen Habitatansprüche ist das Auerhuhn eine wichtige Indikator- und Schirmart für die Biodiversität in lichten hochmontanen Waldlebensräumen.
Die Wälder im Schwarzwald weisen nur noch mancherorts die oben beschriebenen Strukturen auf. Innerhalb der letzten fünf Jahrzehnte hat der Anteil an Lebensraumstrukturen, die für das Auerhuhn geeignet sind, kontinuierlich abgenommen. Durch Sturmereignisse in den 1990er-Jahren (Vivian, Wiebke und Lothar) sind zwar neue Freiflächen und lichte Strukturen für das Auerhuhn entstanden, die Anlass zur Hoffnung gaben, mit der Zeit jedoch wieder bepflanzt wurden oder natürlich zugewachsen sind und somit als Auerhuhnlebensraum an Wert zunehmend verlieren. Aktuelle Auswertungen mittels Fernerkundungsmethoden (Waldstrukturanalysen mithilfe von Stereoluftbildern) belegen, dass der Schwarzwald seit 2010 immer dichter und somit dunkler geworden ist. Kleinräumig sind noch Bereiche mit sehr hoher Habitateignung zu finden, jedoch auf Landschaftsebene, die für den Erhalt der Gesamtpopulation zu betrachten ist, sind diese rar und unzureichend vernetzt. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Gebiete, in denen habitatverbessernde Maßnahmen umgesetzt werden (etwa durch das aktive Schaffen von Freiflächen), meist schnell vom Auerhuhn angenommen werden.
Auerhuhn Lebensraumpotenzial © Wildtierbericht 2018
Gefährdungen
Die Bestandssituation des Auerhuhns ist als sehr ungünstig zu bewerten. Dieser Einschätzung liegen drei Faktoren zugrunde. So sind sowohl die Populationsgröße (gemessen an der Anzahl balzender Hähne) als auch die Ausdehnung der kartierten Verbreitung seit Jahren rückläufig. Darüber hinaus hat die genetische Differenzierung zwischen den Individuengruppen der Teilgebiete zugenommen. Somit ist das Auerhuhn im Schwarzwald akut vom Aussterben bedroht und die Zuordnung zum Schutzmanagement ist weiterhin zwingend.
→ Fortführung und Intensivierung des Monitorings
Um die Populationsentwicklung zu verfolgen, sollten das jährliche Balzplatzmonitoring sowie das laufende Zufallsmonitoring zur Abgrenzung der aktuellen Verbreitung fortgeführt und verbessert werden. Hierfür ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Försterinnen und Förstern, der Jägerschaft und allen anderen relevanten Akteurinnen und Akteuren wichtig. Ein regelmäßiges Monitoring der Habitat-/ Waldstrukturen mittels Fernerkundung auf Landschaftsebene, begleitet von terrestrischen Erfassungen, sollte fortgeführt und etabliert werden, um längerfristig die Veränderungen der Lebensräume zu erfassen zu können.
Aktionsplan Auerhuhn: Maßnahmenplan 2023-2028
Seit 2008 wird die Erhaltung der Auerhuhnpopulation im Schwarzwald auf der Grundlage des Aktionsplans Auerhuhn angestrebt. Eine Zwischenevaluation im Jahr 2019 hat gezeigt, dass die vorgegebenen Maßnahmen nicht ausreichend umgesetzt wurden. Basierend auf den Ergebnissen der Evaluation wurde 2023 ein neuer Maßnahmenplan inklusive eines aktualisierten Flächenkonzepts verabschiedet, der als eine Art Feuerwehrplan anzusehen ist, in dem die Umsetzung auf die wichtigsten Flächen und dringlichsten Maßnahmen konzentriert wird. Zur Unterstützung der schwarzwaldweiten Umsetzung sind Referenzgebiete eingerichtet. In diesen Gebieten sollen die Maßnahmen umfassend und beispielgebend implementiert werden. Der Maßnahmenplan 2023–2028 priorisiert und fokussiert Maßnahmen in drei Handlungsfeldern:
· Erhaltung und Wiederherstellung des Lebensraums
· Verminderung anthropogener Störung
· Verminderung prädatorenbedingter Mortalität durch jagdliches Management
Die Umsetzung des Maßnahmenplans wird durch das Auerhuhnmonitoring und ein Monitoring der Umsetzungsmaßnahmen begleitet. Da habitatverbessernde Maßnahmen schnell von Auerhühnern angenommen werden, sind diese für den Schutz der Auerhuhnpopulation von herausragender Bedeutung. Vor diesem Hintergrund sollten Maßnahmen im Staats- sowie im Privat- und Kommunalwald fortgeführt, ausgebaut und Habitate dauerhaft gepflegt werden. Der Verein Auerhuhn im Schwarzwald e.V. steht hierbei den Waldbesitzenden der Privat- und Kommunalwälder zur Seite, um hinsichtlich Maßnahmengestaltung Auskunft zu geben, Fördermöglichkeiten auszuloten und die Antragstellung zu unterstützen.
→ Weitere Maßnahmen für den Auerhuhnschutz
Auerhühner gelten als windkraftsensible Art. Um den Ausbau der Windenergie mit dem Auerhuhnschutz in Einklang zu bringen, wurden im Rahmen einer Taskforce die rechtlichen und fachlichen Grundlagen umfassend geprüft und aus-earbeitet. Im Ergebnis wurde 2023 eine überarbeitete Planungsgrundlage Windenergie und Auerhuhn veröffelicht.
Wie bereits in vielen Auerhuhngebieten nachgewiesen wurde, führen Aktivitäten zur Bestandsstützung (beispielsweise durch Auswilderung von Wild- oder Zuchtvögeln) nicht zur Wiederherstellung einer dauerhaft überlebensfähigen Population, wenn die Rückgangsursachen nicht großflächig beseitigt werden. In der aktuell sehr kritisch bewerteten Bestandssituation steht daher die Beseitigung der Rückgangsursachen an allererster Stelle.
Das Auerhuhn ist gut erforscht, wirkungsvolle Schutzmaßnahmen sind bekannt. Nun kommt es darauf an, die Maßnahmen zeitnah und schwarzwaldweit umzusetzen. Das Auerhuhn fasziniert nicht nur die Jägerschaft, sondern auch Personen aus Naturschutz und Waldwirtschaft ebenso wie viele Urlauberinnen und Urlauber sowie die Menschen, die hier verwurzelt sind. Damit eignet sich das Auerhuhn besonders gut als Fokusart, um im Schwarzwald großflächig lichte Wälder und deren einzigartige Biodiversität zu erhalten und zu fördern.
Links
Quellen
Segelbacher, G.; Hoglund, J.; Storch, I. (2003): From connectivity to isolation: genetic consequences of population fragmentation in capercaillie across Europe. Molecular ecology, 12 (7): 1773 - 1780
Grimm, V.; Storch, I. (2000): Minimum viable population size of capercaillie Tetrao urogallus, results from a stochastic model Wildlife Biology, 6 (4): 219 - 225
Suchant, R.; Braunisch, V. (2004): Wälder als Kernflächen eines Biotopverbundes für Wildtiere - das Auerhuhn als Indikator? Der Beitrag der Waldwirtschaft zum Aufbau eines länderübergreifenden Biotopverbundes, 76: 75 - 85
Wagner, R. V. (1876): Das Jagdwesen in Württemberg unter den Herzögen. Laupp‘sche Buchhandlung Verlag, Tübingen.
Hölzinger, J., Boschert, M. (2001): Die Vögel Baden-Württembergs (Avifauna Baden-Württemberg). Band 22
Coppes, J.; Ehrlacher, J.; Müller, G.; Roth, K.; Schroth, K. E.; Braunisch, V.; Suchant, R. (2016): Rückgang von Bestand und Verbreitung des Auerhuhns (Tetrao urogallus) im Schwarzwald. In: Der Ornithologische Beobachter
Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg FVA, Auerwildhegemeinschaft im Regierungsbezirk Freiburg und den Auerwildhegeringen Freudenstadt und Calw unveröffentlicht (2018): Ergebnisse aus dem Wildtiermonitoring der FVA. Auszug aus der Wildtiermonitoringdatenbank
Schroth, K.-E.; Lieser, M.; Berthold, P. (2005): Zur Winternahrung des Auerhuhns (Tetrao urogallus) - Versuche zur Bevorzugung von Nadeln verschiedener Koniferenarten. Forstarchiv, 76: 75 - 82
Storch, I. (1993): Habitat selection by capercaillie in summer and autumn: Is bilberry important. Oecologia, 95: 257 - 265
Storch, I. (2001): Auerhuhn-"Restpopulationen": Lebensraum, Minimale Lebensfähige Population (MVP) und Aussterberisiko, Freising
Weiss, H.; Schroth, K. E. (1990): Bewertung der Gefährdungsursachen. In E. Ministerium für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Forsten (Hrsg.), Auerwild in Baden-Württemberg Rettung oder Untergang, 70: 127 - 148, Selbstverlag d. Landesforstverwaltung Baden-Württemberg, Stuttgart
Kämmerle, J.-L.; Coppes, J.; Ciuti, S.; Suchant, R.; Storch, I. (2017): Range loss of a threatened grouse species is related to the relative abundance of a mesopredator. Ecosphere 8
